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Vietnam (der Name bedeutet "Viet des
Südens") ist ein Land in Südostasien, das im Osten ans
Südchinesische Meer, im Südwesten an Kambodscha und im
Westen an Laos grenzt. Das s-förmige Land hat eine
Fläche von 329.560 km² und erstreckt
sich von den Bergen Südchinas bis zum Golf von Thailand. An
manchen Stellen in Mittelvietnam beträgt die Entfernung
zwischen dem Meer und der Grenze zu Laos nur 50 km. Wie in
Italien befinden sich die höchsten Berge im
Norden des Landes. Dort bilden sie eine natürliche Grenze zu
Laos und China. Ein anderer Gebirgszug zieht sich in
Nord-Süd Richtung durch das Land. In Süd- und
Mittelvietnam bildet er das berühmte Zentrale
Hochland.
Die wichtigsten Flüsse Vietnams sind der
Rote Fluss im Norden, der durch die Hauptstadt
Hanoi ("in der Mitte des Flusses") fließt,
und der letzte Abschnitt des Mekongs im
Süden des Landes. Dieser mündet in ein riesiges
Flussdelta. Das Klima ist heiß und feucht
und vom Monsun geprägt. Durch seine große
Nord-Süd Ausdehnung liegt das Land in zwei Klimazonen: Im
Süden gibt es die für Monsunländer typische Regen-
und Trockenzeit, im Norden aber vier Jahreszeiten (das Jahr
fängt im Frühjahr an und Tet, das vietnamesische
Neujahr, fällt in diese Jahreszeit).
Früher war der Reisanbau die wichtigste Erwerbsquelle. Die
traditionelle vietnamesische Kultur ist daher eng mit dem Reis
und den Reisfeldern verbunden. Die berühmten
Wassermarionetten entstanden aus der Tradition,
Vorführungen auf den Reisfeldern zu veranstalten. In den
Bergen wird auf engen Terrassen Klebreis angebaut, der weniger
Wasser benötigt.
Heute wird neben Reis auch Kaffee und Tabak angebaut. Vietnam ist
einer der Hauptexporteure dieser Produkte. Außerdem
exportiert das Land Rohöl, Fischprodukte, Gummi, Tee,
Bekleidung und Schuhe.
Vietnams Bevölkerung beträgt ca. 84
Millionen (2006). 86% gehören der ethnischen Gruppe der Kinh
(Viet) an, der Rest gehört zu einer der insgesamt 53
Minderheiten.
Die Amtssprache Vietnams ist vietnamesisch. Die
Sprache wird in lateinischer Schrift geschrieben; diakritische
Zeichen (Punkte und Striche über oder unter den Buchstaben)
markieren eine besondere Aussprache. Dieses Schriftsystem wurde
vom Jesuiten Alexander De Rhode erfunden, um das komplizierte
traditionelle Alphabet, das aus chinesischen und vietnamesischen
Zeichen bestand, zu vereinfachen. Es wurde dann von Ho Chi Minh
übernommen. Er glaubte, dass eine vereinfachte Schrift zur
Alphabetisierung der Bevölkerung beitragen würde. Heute
können 98% der Bevölkerung lesen und schreiben.
Die wichtigsten Religionen des Landes sind
Buddhismus, Katholizismus, hao hao, cao dai, und alle
traditionellen Religionen der Minderheiten und der Viet. Es gibt
auch Moslems und Protestanten.
Die Geschichte Vietnams ist auch die Geschichte
eines widerstandsfähigen Volkes, das trotz der vielen Kriege
und Naturkatastrophen als "Volk des Lächelns" bekannt
ist.
Einst gab es auf dem Gebiet der heutigen Sozialistischen
Republik Vietnam drei Hochkulturen: die der Viet im Norden im
Becken des Roten Flusses und in den Regionen Südchinas, die
der Cham in Mittelvietnam und die der Khmer im Süden.
Während die letzten zwei Zivilisationen hauptsächlich
von der indischen Kultur beeinflusst wurden, stand der Norden
unter dem Einfluss Chinas. Trotzdem hat die Kultur der Viet viele
Eigenheiten beibehalten. Neben den drei großen Kulturen
gibt es Kulturen der zahlreichen Minderheiten des Lands. Diese
sind im Laufe der Jahrhunderte aus vielen verschiedenen Gegenden,
von den Bergen des Himalayas bis hin zu den Pazifischen Inseln,
nach Vietnam gezogen und haben sich dort angesiedelt. Das Volk
der Viet hat alle diese Einflüsse aufgenommen, die so zu
einem bunten und reichem Mosaik der Kulturen beigetragen
haben.
Zehn Jahrhunderte lang wurde das vietnamesische Reich von China
dominiert (111 v.Chr.-939 n.Chr.), obwohl die Vietnamesen immer
wieder versucht haben, sich von dessen Herrschaft zu befreien.
Auch heute noch wird China sowohl als Furcht einflössender
Nachbar als auch als kulturelles Vorbild betrachtet. Nachdem
Vietnam endlich die Chinesen zurück drängen konnte,
musste die Bevölkerung gegen die Furcht erregenden
mongolischen Invasoren kämpfen. Dank ihrer schlauen
Strategien und der klimatischen Vorteile waren die Vietnamesen
das einzige Volk, das die Mongolen besiegen konnte.
Als endlich Frieden einkehrte, konnte sich die vietnamesische
Kultur unter den verschiedenen einheimischen Dynastien entfalten,
wenigstens bis zu Beginn der französischen Kolonialzeit.
1945 rief Vietnam seine Unabhängigkeit von Frankreich aus,
aber erst 1954 gelang es dem Land, die französische
Kolonialmacht zu besiegen. Das daraufhin zweigeteilte Land (Nord-
und Südvietnam) wurde nach dem Sieg gegen die USA und der
Befreiung Saigons (heute Ho Chi Minh City) im Jahr 1975 wieder
vereint und ist heute eine Sozialistische Republik mit einer
einzigen Partei (Kommunistische Partei Vietnams). Über den
Vietnam-Krieg, der die Überlegenheit des Westens in Frage
stellte, wurde viel geschrieben und gesehen. Wenige wissen aber,
was nach dem Krieg geschah. Nach dem Krieg mit den USA erlitt
Vietnam ein strenges Embargo, das erst 1994 aufgehoben wurde,
einen Invasionsversuch seitens China, der durch den
vietnamesischen Krieg gegen das blutige Pol-Pot-Regime in
Kambodscha ausgelöst wurde (der Konflikt mit Kambodscha
endete mit dem Sturz des Diktators Pol-Pot) und den Zerfall der
Sowjetunion, die Vietnams wichtigster Handelspartner war. Aus
seiner schwierigen Vergangenheit ist Vietnam allerdings
gestärkt und dynamisch hervorgegangen.
Noch vor dem Fall der Berliner Mauer wurde 1986 die Wirtschaft
Vietnams reformiert und die Doi Moi-Politik
(Wirtschafterneuerung) eingeführt. Dank des neuen und sehr
konkurrenzfähigen Marktsozialismus ist Vietnam heute das
Land mit dem größten Wirtschaftswachstum nach China
und dem kleinsten Unterschied zwischen Arm und Reich.
Die Kultur und die Feste Vietnams
Die Vietnamesen feiern viele Feste: neben dem Staat feiert
jede Provinz und Stadt, jedes Dorf und sogar jede Familie ihre
Götter, Geister, Vorfahren und Helden. Der wichtigste
Feiertag ist der Beginn des Mondjahres Tet, das auch der Beginn
eines neuen Jahres ist.
Woher stammen die Neujahrsfeiern?
Der Legende nach hat die Dynastie der Hong Bang 2879 v.Chr. das
halblegendäre Königreich Vãn Lang gegründet
und es 2622 Jahre lang regiert. Der Drachenkönig hatte einen
Sohn, Lac Long Quan. Dieser heiratete Au Co, die tien der Berge,
die Hung Vuong gebar. Hung Vuong wurde der erste Kaiser des Van
Lang-Reiches.
Lac Long Quan, der Sohn des Drachens und Herr der Meere und Au
Co, Geist der Berge, symbolisierten zwei vollkommen verschiedene
Welten. Man erzählt, dass aus ihrer Vereinigung 100 Eier
entstanden, aus denen 100 Kinder schlüpften: 50 Mädchen
und 50 Jungen, die Vorfahren aller Herrscher Vietnams. Danach
aber trennte sich das Paar: der Drachenprinz hatte Heimweh nach
seinem Meeresreich und kehrte mit 50 Kinder in seinen Palast im
Ostmeer (dem südchinesischen Meer) zurück. Er
versprach, dass er in Notfällen immer helfen würde.
Hung Vuong wurde dem Vater anvertraut und wuchs an der Küste
des Reiches seines Vaters auf. Als Kaiser teilte er sein Reich in
15 Regionen, die von 15 Gouverneuren verwaltet wurden. Seit jener
fernen Zeit feiert das Volk der Viet oder Khin das Tet-Fest, den
Beginn des Mondjahres.
Dieser Mythos erzählt sowohl vom Ursprung des
zukünftigen Reiches, das die Kämpfe zwischen Lac Long
Quan und den Naturgeistern fruchtbar und bewohnbar gemacht haben,
als auch vom Ursprung der Zeit, die seither in zyklischer Weise
berechnet wird.
Wie der chinesische Kalender folgt auch der
vietnamesische den Mondphasen und hat eine Länge von 12
Jahren. Jedes dieser Jahre wird von einem Tier dargestellt: Maus,
Büffel, Tiger, Katze, Drache, Schlange, Pferd, Ziege, Affe,
Hahn, Hund und Schwein. Jedem Jahr ist zudem eines der insgesamt
5 Wandlungsphasen zugeteilt, die aus der
chinesischen Kultur stammen: Holz, Feuer, Erde, Metall und
Wasser. Diese Elemente, die gemeinsam das Universum bilden, sind
miteinander verbunden: Das Holz ist die "Quelle" des Feuers und
dominiert die Erde, das Feuer hinterlässt Asche, die zu Erde
wird und das Feuer kontrolliert das Metall, usw. Die fünf
Elemente entsprechen auch je einer Himmelsrichtung, einer
Jahreszeit, einer Tageszeit und einer Farbe: Das Holz entspricht
dem Osten, dem Frühling, dem Sonnenaufgang und der Farbe
Grün; das Feuer gehört zum Süden, zum Sommer, zum
Mittag und zur Farbe Rot; das Wasser dem Norden, dem Winter, der
Mitternacht und der Farbe Schwarz; die Erde entspricht dem
Mittelpunkt, dem Übergang zwischen den Jahreszeiten und den
Tageszeiten und der Farbe Gelb. Die fünf Elemente stehen
also sowohl für Zeit als auch für Raum. Die
Wandlungsphasen werden außerdem abwechselnd von Yin
(weiblich, feucht, dunkel, etc.) und Yang (männlich, hell,
sonnig) begleitet. Die Kombination der Zyklen der Wandlungsphasen
und der 12 Tierzeichen bewirkt, dass das gleiche "Zeichen" (z.B.
Der Feuerdrache) nur alle 60 Jahre vorkommt.
Der Tradition nach muss in der letzten Nacht des Jahres ein
Familienmitglied einen Ast von einem Baum (meistens einem
Pfirsichbaum) abbrechen. Dies ist ein Symbol für all das
Neue, das kommen wird. An einem Hausaltar werden die Vorfahren
geehrt. Die Familie steht im Mittelpunkt der vietnamesischen
Gesellschaft: die Verehrung der Vorfahren ist nicht nur eine
private Angelegenheit, sondern bestimmt auch das soziale
Zugehörigkeitsgefühl eines jeden Menschen, der alleine
nicht existieren könnte. Die Familie steht auch im
Mittelpunkt eines jeden Dorfes, das die älteste und
stärkste Einheit des vietnamesischen Staates ist. Ein
vietnamesisches Sprichwort besagt : "Das Gesetz des Königs
verschwindet vor der Regel des Dorfes." Dies gibt die Einstellung
der Vietnamesen wieder, dass auch eine große Macht, wie es
z.B. die chinesische Herrschaft war, Vietnam niemals ganz
beherrschen könnte.
Am Neujahrstag sind die "ersten Füße" von
größter Bedeutung: der Gast, der als erster über
die Schwelle schreitet, bestimmt das Schicksal des ganzen
nächsten Jahres. Die Vietnamesen sind sehr
abergläubisch; oft lassen sie sich von Wahrsagern den
günstigsten Zeitpunkt für eine Entscheidung oder eine
Tat voraussagen. Die Vietnamesen meiden am Neujahrstag
unverheiratete oder kinderlose Frauen, während alte Menschen
als Symbol für Weisheit und langes Leben äußerst
willkommen sind. Dieser erste Tag des neuen Jahres ist ganz der
Familie gewidmet, die nächsten zwei werden hingegen mit
Verwandten und Freunden verbracht.
Eines der wichtigsten Elemente eines jeden Neujahrfestes ist der
Kumquatbaum (eine Art Mandarine), der in großen verzierten
Töpfen verkauft wird. In den Tagen vor Tet füllen sich
die Straßen mit Motorrädern, die die Bäume
transportieren. Außerdem verzehrt jede Familie die Speisen,
die in der Legende erwähnt wurden: bánh chung und
bánh d?y.
Durch den Kontakt mit anderen Kulturen verändern sich
langsam und allmählich die Gewohnheiten und Traditionen.
Während Anfang der 90er Jahre der Kontakt mit
Ausländern nicht gern gesehen war, werden sie nun als Symbol
für den Wirtschaftserfolg herzlich empfangen. Vietnam ist
ein Land in dauerndem Wandel. Trotzdem sind die uralten
Traditionen noch stark im Leben dieses jungen Volkes, von dem
zwei Drittel nach 1975 geboren wurden, verwurzelt.
Wusstet ihr, dass ...
Die Schildkröte: Wie in vielen
Ländern des Fernen Ostens und Südostasiens ist auch in
Vietnam die Schildkröte ein Symbol für Weisheit und
langes Leben. Sie ist eines der vier heiligen Tiere (gemeinsam
mit Drache, Phönix und Einhorn) und kommt häufig in
Märchen und Sagen vor. Der Panzer, der oben rund wie der
Himmel, unten flach wie die Erde der traditionellen
vietnamesischen Vorstellung ist und in seiner Mitte das Lebewesen
beschützt, macht die Schildkröte zu einem Symbol des
Kosmos. Sie ist auch die Beschützerin der Intellektuellen:
In der ersten Universität Vietnams, die 1070 gegründet
wurde, stehen die Stelen, die den Hochschulabgängern
gewidmeten sind, auf Statuen, die die Form einer Schildkröte
haben.
Die Schildkröte ist auch das Wappentier Hanois. Es
heißt, dass im See der Stadt noch immer die
Schildkröte lebe, die einst das Schwert, das der König
zur Verteidigung des Landes gegen die Chinesen erhalten hatte,
eingefordert hatte. Der König musste ihr das Schwert geben,
da es nicht ein Geschenk für ihn, sondern für das
gesamte Volk war. Man sagt, dass derjenige, der heute die
Schildkröte erblickt, viel Glück in seinem Leben haben
wird.
Die Libelle: Die Schildkröte ist das Symbol
des Nordens, die Libelle das des Südens Vietnams. Auf dem
Mekong und im ganzen Land sieht man tausende dieser eleganten
Tiere. Es gibt zwar keine Geschichten, die nur der Libelle
gewidmet sind, aber ein altes Volkslied, das in ganz Vietnam
bekannt ist, besagt folgendes: "Wenn ich zufrieden bin, bleibe
ich hier. Wenn ich traurig bin, fliege ich davon." Die Menschen
im Süden glauben, dass dieser Satz ihren Charakter
beschreibe: offen, fröhlich, freiheitsliebend.
Achtung bei der Aussprache: Im Vietnamesischen
gibt es mehrere Formen der Wörter "ich" und "du". Je
nachdem, mit wem man spricht, wird eine andere Form verwendet.
Die Vietnamesen sprechen immer in dritter Person, man heißt
sich "kleine Schwester/kleiner Bruder", "Onkel/Tante", "Oma/Opa",
usw. Wenn man mit einer jüngeren Person spricht, muss man
sie "kleine Schwester/kleiner Bruder" nennen, und sich selbst
"große Schwester/großer Bruder". Der Satz, "Ich frage
dich, was du heute gemacht hast", würde auf Vietnamesisch so
klingen: "Große Schwester fragt kleinen Bruder, was er
heute gemacht hat." Wenn man mit einer älteren Person
spricht, muss man sich aber "kleine Schwester/kleiner Bruder"
nennen und der Satz würde so aussehen: "Kleine Schwester
fragt Onkel, was er heute gemacht hat." Vielleicht ist gerade aus
diesem Grund eine der ersten Fragen der Vietnamesen "Wie alt bist
du?"
Die Töne: Wie in vielen asiatischen
Ländern, spricht man auch in Vietnam eine Tonsprache. Je
nach Aussprache ändert sich die Bedeutung eines Wortes. Es
gibt sechs dieser Töne. Die Wörter sind sehr kurz und
haben nur 1-2 Silben. Wer in Vietnam keine schlechte Figur machen
will, sollte also genauestens auf die Aussprache achten!
Ciao: Auch die Vietnamesen grüßen
sich mit "ciao". Zwar wird der Gruß in Vietnam
"Chào" geschrieben, die Aussprache ist aber die gleiche
wie im Italienischen.
Ciao-Chào!
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