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Index

Hauptfiguren: die kleinen Mädchen Katja und Kisma
Schauplatz, Hintergrund: Deutschland
Thema, Problem: Auseinandersetzungen gehören auch zu
Freundschaft.
Inhalt: An ihrem elften Geburtstag bekommt Katja ein
Mountainbike, das sie zärtlich Hercules nennt. Indirekt
bringt ihr Hercules eine neue Freundin: Kisma aus Tunesien.
Anfangs kann Katja die Streberin Kisma, die Mozartkugeln gern
ißt und nichts vom Radfahren hält, nicht leiden. Dann
werden die beiden aber unzertrennlich. Eines Tages entsteht ein
Mißverständnis zwischen ihnen. Kismas Mutter gelingt
es, die beiden zur Versöhnung zu bringen.
Ghazi Abdel-Qadir, geboren 1948 in Palästina, mußte als 16-jährige Junge die Schule abbrechen, um in Kuwait als Hotelboy, Bauchladenverkäufer und Kellner zu arbeiten. Später holte er das Abitur nach und studierte u.a. Germanistik, Anglistik, Evangelische Theologie und Islamwissenschaft in Bonn und Siegen, wo er auch Lehrbeauftragter war. Seit 1988 lebt er als freier Schriftsteller bei Siegen.
Hauptfiguren: Carla
Schauplatz, Hintergrund: Militärputsch in Chile 1973 und
Ermordung Präsident Allendes durch die Junta
Thema, Problem: Jugend nach dem Bürgerkrieg
Inhalt: Nach einer Bücherverbrennung durch die
Militärjunta darf Carla Quintana nach Paris flüchten.
Sie besucht dort die Schule und wohnt mit ihrer Familie in einem
Hochhaus, wo ihr allerhand illustre Leute begegnen. Einen Poncho
zu tragen, kommt ihr zu folkloristisch vor. Allmählich
assimiliert sie sich. In ihrer Heimat möchte sie aber nicht
in Vergessenheit geraten.
Alexandra Carrasco, 1963 geboren, lebte bis zum Militärputsch 1973 bei ihrer Familie in Chile, dann in Frankreich zwischen chilenischen Flüchtlingsgruppen und neuen Bindungen. Studierte Philosophie und wurde Übersetzerin.
Hauptfiguren: Ich-Erzählerin
Schauplatz, Hintergrund: Kreißsaal
Thema, Problem: Gespaltenheit zwischen zwei Kulturen
Inhalt: In einem deutschen Kreißsaal begibt sich die
türkische Ich-Erzählerin auf eine Erinnerungsreise.
Gespalten zwischen zwei Kulturen vergleicht sie ihre Situation
mit der ihrer Eltern. Selber wird sie hin- und hergerissen
zwischen ihrer verklemmten Erziehung und unzureichender
Sexualaufklärung türkischerseits und Phänomenen
wie dem überzogenen Schutz des Eigentums („Spielen
verboten“) auf deutscher Seite. Die Diskriminierung durch
eine ausländische Lehrerin regt zu einem verstärkten
Einsatz für Randgruppen aller Art an und bewirkt eine
grundlegend kosmopolitische Ausrichtung, die die
Rückbesinnung auf die eigene Tradition als Einigeln und
Dialogverweigerung betrachtet. Der Auszug aus dem Elternhaus war
verpönt - nun wird die nächste Generation geboren, von
der eine umfassende Erneuerung zu erwarten ist.
Renan Demirkan, 1955 in Ankara geboren, in Deutschland aufgewachsen, zur Autorin und preisgekrönten Schauspielerin arriviert.
Hauptfiguren: verschiedene
Schauplatz, Hintergrund: Deutschland und Iran
Thema, Problem: Eine Perserin wird in ihrer Heimat verfolgt, hat
in Deutschland aber neue Probleme.
Inhalt: In den Erzählungen verarbeitet die Autorin
einerseits ihre Erfahrungen in Deutschland, andererseits ihre
Verfolgung in der Islamischen Republik.
Fahime Farsaie, 1952 in Teheran geboren, wurde im Iran unter dem Schah ebenso politisch verfolgt wie unter Khomeini. 1983 floh sie in die BRD.
Erzählungen - ab 14 J. - 126 SeitenHauptfiguren: der Junge Tyrone
Schauplatz, Hintergrund: London
Thema, Problem: Fremdenhass
Inhalt: Das Viertel, in dem Tyrone mit seinen Großeltern
wohnt, wird abgerissen. Sanierungsmaßnahmen heißt es.
Wo die Leute hin sollen, die dort wohnen, kümmert niemanden,
am wenigsten die Brüller, die herumstehen und die
Baumaschinen anfeuern. "Nigger raus!" schreien sie. Tyrone ist
wütend. Seine Großeltern sind ins Altersheim gebracht
worden. Dort geht es ihnen nicht sonderlich gut. Als dann noch
dazu Tyrones Freundin Opfer eines Anschlags wird,
beschließt Tyrone, nicht mehr zuzuschauen. "Jetzt wird
gehandelt!" sagt er sich.
Beryl Gilroy wurde in den 20er Jahren in British-Guyana geboren. Lebt seit den 50er Jahren in Großbritannien, verfasst Kinderbücher, aber auch Romane für Erwachsene.
Roman - ab 10 J. - 187 Seiten - Bibliothek: Landesbücherei IBKHauptfiguren: das Mädchen Ingrid, ihr Bruder Uwe und ihre
Familie
Schauplatz, Hintergrund: Deutschland
Thema, Problem: Ein kleines Mädchen lernt das reiche
Deutschland kennen.
Inhalt: Die rumäniendeutschen Kinder Ingrid und Uwe finden
den Luxus in Deutschland faszinierend und verwirrend. Sie
müssen Scheu und Angst überwinden, um sich zu
behaupten, und sie gewinnen schließlich Freunde. Auch ihre
Eltern müssen lernen, neue Seiten an ihren Kindern zu
akzeptiern.
Karin Gündisch, geboren 1948 in Siebenbürgen, Rumänien, studierte Deutsch un Rumänisch in Bukarest. Dort arbeitete sie als Deutschlehrerin, nebenbei war sie freie Mitarbeiterin bei der rumäniendeutschen Presse, bei Rundfunk und Fernsehen, veröffentlichte Kindergeschichten und arbeitete an Deutsch-Lehrbüchern mit. Seit 1984 lebt sie in Deutschland.
Erzählung - ab 8 J. - 117 Seiten - Bibliothek: IM-IHauptfiguren: verschiedene
Schauplatz, Hintergrund: Siebenbürgen, Deutschland
Thema, Problem: das Abschiednehmen von der Heimat der Kindheit
und das Neuanfangen in der Heimat der Vorfahren
Inhalt: In diesen sieben Erzählungen schildert die Autorin
die Erfahrungen von Kindern, die mit ihren Eltern und
Geschwistern aus Siebenbürgen weggegangen sind, um in
Deutschland zu leben. Das Abschiednehmen von der alten Heimat
fällt ihnen genauso schwer wie das Neuanfangen in der neuen
Heimat. Das Aussiedlerheim ist einengend, die
Großstädte wirken bedrohlich, und die neuen
Klassenkameraden sind nicht nett.
Hauptfiguren: das Mädchen Astrid und ihre Familie
Schauplatz, Hintergrund: Siebenbürgen
Thema, Problem: Ein kleines Mädchen lernt die
rätselhafte Welt der Erwachsenen kennen.
Inhalt: Astrid liebt ihr Dorf und ihre Familie. Sie spielt gern
Theater und paßt liebevoll auf ihren Bruder Geri auf. Mit
großem Erstaunen beobachtet sie die Welt der Erwachsenen,
die sich ihrer Meinung nach komisch verhalten. Sie denkt
über alles nach und findet langsam Vertrauen zu sich
selbst.
Hauptfiguren: Ich-Erzähler (erwachsener Arbeitssuchender)
und Herr Lolek (Firmenchef)
Schauplatz, Hintergrund: das heutige Berlin
Thema, Problem: Voreingenommenheit gegenüber
Ausländern
Inhalt: Der Ich-Erzähler, der aus Angst vor weiterer
Arbeitslosigkeit kaum noch schlafen kann, findet in der
Morgenzeitung endlich ein Stellenangebot, das ihn anspricht,
jedoch mit dem Zusatz „Kein Ausländer“ versehen
ist. Er ruft trotzdem bei der Firma an und gibt sich als
ranghoher Türke aus. Er beeindruckt den Firmenchef derart,
daß dieser ihm die Stelle auf Anhieb zusichert.
Während des Telefonats wird dem Ich-Erzähler
bewußt, daß Herr Lolek von seiner türkischen
Herkunft nichts bemerkt, und macht ihn ehrlicherweise auf diesen
Umstand aufmerksam. Der Firmenchef nimmt seine Zusage
zurück. Weil aber der Ich-Erzähler diese Arbeitsstelle
unbedingt haben möchte, greift er zu einer List: er
erklärt, daß seine Mutter zwar Türkin sei, sein
Vater aber sei Franzose. Der Ich-Erzähler bekommt den Job.
An dieser Stelle endet die eigentliche Geschichte. Was danach
kommt, sind die amüsant zu lesenden Überlegungen, die
der Ich-Erzähler anläßlich des bevorstehenden
Einstellungsgesprächs mit seinem künftigen Chef
anstellt. Sie enden mit der Angst vor Entdeckung der Wahrheit:
daß sein Vater nämlich gar nicht Franzose ist, sondern
Türke. Diese mit feiner Ironie erzählte Geschichte ist
amüsant zu lesen. Trotzdem macht die unverhohlen zur Schau
gestellte Voreingenommenheit gegenüber Ausländern
betroffen.
Nazmi Kavasoglu, geboren 1945 in Babaeski/Türkei, ist Lehrer, Journalist und Schauspieler. Er lebt seit 1971 in Berlin. Brücken der Verständigung zu bauen ist für ihn eine überparteiliche Aufgabe. Seine Erzählungen werden seit Jahren von Zeitungen aller Konfessionen und politischen Richtungen abgedruckt. Er erhielt dafür 1984 als erster Ausländer den Konrad-Adenauer-Preis für Stadtjournalismus.
Kurzprosa - ab 14 J. - 5 Seiten - Bibliothek: IM-IHauptfiguren: Ich-Erzähler (türkisch, erwachsen,
verheiratet) und Frau Zeglin (deutsch)
Schauplatz, Hintergrund: Kreuzberg (Deutschland)
Thema, Problem: Ausländerfeindlichkeit
Inhalt: Der Ich-Erzähler lebt mit seiner Frau glücklich
und zufrieden in einer gemieteten Ein-Zimmer-Wohnung. Die beiden
sind die einzigen Ausländer im Haus. Von den übrigen
Hausbewohnern werden sie weder gegrüßt noch schenkt
man ihnen ein Lächeln. Einzig Frau Zeglin, eine ältere
Dame, pflegt einen herzlichen Kontakt mit ihnen. Sie besuchen
sich gegenseitig und haben einander immer etwas zu erzählen.
Außerhalb des Hauses aber verhält sich Frau Zeglin
ganz anders: sie grüßt die beiden nur scheu und
vermeidet jedes Gespräch. Als der Ich-Erzähler sie
einmal nach dem Grund dafür fragt, erzählt sie ihm von
der negativen Einstellung der übrigen Hausbewohner
gegenüber den Ausländern und von der ständig
versuchten negativen Beeinflussung. Das Verhalten der
Hausgemeinschaft ändert sich nicht, wird im Laufe der Zeit
nur noch feindseliger. Frau Zeglin, die bei ihren Besuchen immer
vorsichtiger läutet, kommt schließlich gar nicht
mehr.
Hauptfiguren: Ferda
Schauplatz, Hintergrund: Deutschland und die Türkei
Thema, Problem: Entfremdung, Erwachsenwerden, Menschen zwischen
zwei Kulturen
Inhalt: Ferda ist Türkin, in Deutschland geboren und
aufgewachsen. Sie spricht beide Sprachen und fühlt sich in
den beiden Ländern wohl. Kurz vor den Sommerferien, die sie
wie jedes Jahr in der Türkei verbringen werden, sagt ihr
Vater, dass er sich zu Hause nach einem Verlobten für sie
umschauen will. Damit ist Ferda nicht einverstanden. Keinesfalls
will sie einfach verheiratet werden wie ihre ältere
Schwester, und niemand soll über sie bestimmen. Sie ist
fünfzehn und möchte nach der Schule unbedingt
weiterlernen. Das zu akzeptieren fällt dem Vater schwer.
Doch Ferda, die manchmal selbst nicht weiß, wohin sie
gehört, will ihr Leben trotz aller Vorurteile und
Traditionen selbst in die Hand nehmen.
Ranka Keser, geboren 1966 in Kroatien, kam mit drei Jahren nach Deutschland und weiß aus ihrem eigenen Leben, wie es ist, als Ausländerin zu leben und zwischen zwei Kulturen zu stehen. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Bayern.
Roman - ab 13 J. - 78 SeitenHauptfiguren: Nura
Schauplatz, Hintergrund: Psychiatrie Hamburg
Thema, Problem: subtile Unterdrückung der Frau durch
europäische Männer
Inhalt: Die Ich-Erzählerin Semra Jitani wird in Hamburg
psychiatrisch behandelt, weil sie beim Begräbnis ihrer
Freundin Nura Karim deren deutschem Ehemann Manfred die Schuld am
unerwarteten Tod gab. In diesen Rahmen eingebettet sind Semras
Erinnerungen. Nuras Tod war wie eine Alarmglocke für Semra.
Gemäß der arabischen Erzähltradition hat auch das
Drumherum seine Berechtigung: die Geschichte mit Michael, der
nicht begreift, daß seine Freundin Semra nun Zeit für
sich braucht. Semra durchschaut nun Männer, die zuerst
Solidarität heucheln. Trotz Gleichberechtigungsgefasel hatte
Manfred Nura Arbeit verboten - mit allen Konsequenzen: bis zu
Bruch und Scheidung.
Jusuf Naoum, 1941 geboren in El Mina/ Tripoli, lebt nach verschiedenen Arbeiten als freier Schriftsteller in Deutschland.
Roman - ab 18 J. - 174 Seiten - Bibliothek: IM-I"Hauptfiguren: der in Deutschland lebende 14-jährige
Oktay, sein Onkel Sadik, der türkische Staatsgründer
Kemal Atatürk
Schauplatz, Hintergrund: eine Kleinstadt in Deutschland
Thema, Problem: Kemal Atatürks Leben und Ideen
Inhalt: Onkel Sadik, der Ich-Erzähler, vermittelt Oktay, dem
Sohn seines Freundes, die Bedeutung Kemal Atatürks. Dies
geschieht klein dosiert und anfangs besonders
kindgemäß, da auch noch Oktays jüngere
Geschwister zuhören dürfen und neugierig Fragen
stellen. Oktay, der aufgrund seiner schlechten Schulleistungen
den Hauptschulabschluß verpaßt hat, wird von Onkel
Sadiks Begeisterung angesteckt. Er will alles aus Atatürks
Leben wissen und beginnt, ihm nachzueifern. Dies wirkt sich
äußerst positiv auf seine
Persönlichkeits-entwicklung aus. Der Ich-Erzähler
versteht es, kindliche Neugier am Leben und Wirken des
Staatsmannes zu wecken. Die Geschichte Atatürks und sein
Vermächtnis für das türkische Volk werden in
Abschnitten, angepaßt an das Alter der zuhörenden
Kinder, präsentiert. Im Laufe der Erzählung reduziert
sich der Dialog auf Onkel Sadik und Oktay, sodaß das
Gesprächsniveau auf das des Jugendlichen ansteigt.
Yüksel Pazarkaya, geboren 1940 in Izmir; Studium der Chemie, dann der Literaturwissenschaft und Philosophie in Stuttgart; lebt seit 1958 in Deutschland. Konkrete Gedichte in internationalen Anthologien und Ausstellungen. Neben Lyrik Erzählungen, Dramen, Hörspiele, Aufsätze, literaturwissenschaftliche Arbeiten, Übersetzungen.
Erzählung, hauptsächlich in DialogformHauptfiguren: Billi, ein griechisches Mädchen
Schauplatz, Hintergrund: Schweden / Bürgerkrieg und Diktatur
in Griechenland
Thema, Problem: Freundschaften, Zusammenhalten
Inhalt: Billi ist während des griechischen Bürgerkriegs
mit ihrem Vater nach Schweden emigriert. Ihr Vater arbeitet dort
in einer Fabrik. Billis Mutter ist tot. In der Schule hat sie es
als Ausländerin schwer, vor allem mit einem türkischen
Mädchen, das sie als dreckige Griechin beschimpft. Bald
stellt sich jedoch heraus, dass dieses türkische
Mädchen von anderen Schülern der Schule erpresst wird.
Billi empfindet Marianne, die neue Frau ihres Vaters, und ihr
werdendes Kind als unliebsame Konkurrenz. Eine Annäherung
zwischen beiden gelingt, als sie bei einem Überfall durch
ein paar Burschen zusammenhalten. Billi geht aber wieder nach
Griechenland zurück, wo ihre Großmutter sie zuerst gar
nicht erkennt.
Billi ROSEN: 1942 geboren, Kindheit in Griechenland, Schule in Schweden, Beruf in England (Bildungswesen).
Erzählung - ab 12 J. - 205 Seiten - Bibliothek: IM-I"Hauptfiguren: Mehmet
Schauplatz, Hintergrund: ein deutsches Wohnzimmer
Thema, Problem: Ausländerfeindlichkeit
Inhalt: Ramonas Familie hat zu einem gemütlichen Abend
eingeladen. Ramona kommt ziemlich spät. Sie bringt ihren
Freund mit: Mehmet. Die Anwesenden sind entsetzt. Sehr verlegen
bittet Ramona Mehmet, zu gehen...
Rafik Schami, geboren 1946 in Damaskus. Von 1966 bis 1969 Herausgeber und Mitautor einer Wandzeitung im alten Viertel der Stadt. Seit 1965 schreibt er neue Märchen. 1971 übersiedelte er nach Deutschland. Studium der Chemie, Promotion, Arbeit in der Industrie. Seit 1982 ist er freier Schriftsteller und lebt in Kirchheimbolanden. Er ist Mitbegründer der Literaturgruppe „Südwind“. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.
Kurzgeschichte - ab 14 J. - 2 SeitenHauptfiguren: Gastarbeiter
Schauplatz, Hintergrund: Gastarbeiterszene in Deutschland
Thema, Problem: Diskriminierung von Gastarbeitern
Inhalt: In siebzehn Satiren und Bürokratesken spürt der
Autor dem nun schon langjährigen Gastarbeiteralltag nach.
Scharfsichtig bezeugt er die Mechanismen von Unterdrückung
und Mißverständnissen, unerbittlich entzaubert er
politisches Engagement in der dritten Welt statt vor Ort,
deutlich brandmarkt er die europäische Friedenspolitik auf
dem Rücken anderer Kontinente.
Hauptfiguren: Shirin
Schauplatz, Hintergrund: Hamburg / persische Gemeinde in
Hamburg
Thema, Problem: Zerrissenheit zwischen zwei Lebenswelten,
Integrationsprobleme
Inhalt: Shirin kommt als Elfjährige mit ihrer Familie nach
Hamburg. Sie sehnt sich jedoch nach ihrer Großmutter in
Teheran zurück, die sie zum Unterschied von ihrem Vater als
Mädchen nie benachteiligt hat. Das Mädchen versteht
bald die strengen Sitten seiner Heimat nicht mehr und leidet
unter dementsprechenden Einschränkungen, stößt
aber auch auf die Vorurteile von Deutschen, die oft Tiere mehr
lieben als Menschen.
Nasrin SIEGE, 1950 im Iran geboren; lebte viele Jahre in der Bundesrepublik als Suchttherapeutin, seit 1983 Aufenthalt in Tansania. Inzwischen Kinderbuchautorin.
Roman - ab 10 J. - 148 Seiten - Bibliothek: IM-I, Landesbücherei IBK"Hauptfiguren: der Märchenmann
Schauplatz, Hintergrund: ein Stadtteil in München
Thema, Problem: gegenseitige Akzeptanz unterschiedlicher
Kulturen
Inhalt: Eines Tages, als sich deutsche und türkische Kinder
auf dem Spielplatz streiten, erscheint der Märchenmann mit
der Wasserpfeife. Er versammelt die Kinder um sich und
erzählt ihnen Märchen, von nun an Tag für Tag. Je
mehr die Kinder von ihm hören, desto mehr wachsen
Verständnis füreinander und Freundschaft unter ihnen.
Ist die Brücke zwischen Orient und Okzident geschlossen,
zieht der Märchenmann weiter, weil er auch anderswo dringend
gebraucht wird. Die Autorin läßt den Frieden
stiftenden Märchenmann nicht nur abgeschlossene (Liebes-)
Geschichten erzählen, die auch für sich gelesen werden
können, sondern bettet sie in eine Rahmenerzählung,
sodaß das ganze Buch überdies e i n e spannende
Geschichte darstellt.
Alev Tekinay, geboren 1951 in Izmir, deutsches Abitur, studierte in München Germanistik (1976 MA, 1979 Promotion zum Dr. phil.). Sie unterrichtete Deutsch als Fremdsprache und Türkisch an verschiedenen bayerischen Universitäten. Seit 1983 Universitätsdozentin in Augsburg. Literaturpreis des Münchener Instituts für Deutsch als Fremdsprache. 1990 Förderpreis zum Adalbert-von-Chamisso-Preis.
MärchenHauptfiguren: lyrisches Ich (erwachsener Türke)
Schauplatz, Hintergrund: Zimmer des lyrischen Ichs in
Deutschland
Thema, Problem: Zerrissenheit zwischen Leben im Ausland und
Sehnsucht nach Heimat
Inhalt: Das lyrische Ich hat seine Wurzeln in der Türkei,
lebt in Deutschland, wird jedoch von Sehnsucht nach seiner Heimat
dermaßen ergriffen, daß es nur noch zwischen
Kleiderschrank und Koffer irrt und täglich in einem
imaginären Zug 2000 km in die Heimat fährt. Einfache
Wörter und klarer Satzbau verleihen dem Gedicht
Authentizität und erlauben eine spontane Identifikation mit
dem lyrischen Ich.
Hauptfiguren: Malika
Schauplatz, Hintergrund: Pariser Vorort Aubervilliers
Thema, Problem: Erwachsen-Werden, islamische Ethik und
Pädagogik, (mohammedanische) Sexualaufklärung
Inhalt: Drei Freundinnen: Maud, Josyane und Malika, letztere eine
von ihrem muslimischen Vater streng gehaltene Immigrantentochter,
streunen in Paris herum, um dort Burschen kennenzulernen. Drei
Norweger bewegen sie zu einem Treffen in deren Heimat. Doch nur
eines der Mädchen darf die Reise nach Skandinavien antreten:
Maud. Sie kommt jedoch ohne Ankündigung und
besorgniserregend spät und verändert zurück. Das
Erwachsen-Werden vollzieht sich jenseits der Träume und
Illusionen.
Malika Wagner, 1960 als Tochter eines algerischen Emigranten und einer Französin geboren, in einem Pariser Vorort aufgewachsen. Studierte in den USA Politikwissenschaften. Sie lebt als freie Schriftstellerin und Journalistin in Paris.
Roman - ab 16 J. - 148 Seiten - Bibliothek: IM-I"Hauptfiguren: Murat, ein 12-jähriger Junge
Schauplatz, Hintergrund: Wien, Samsun
Thema, Problem: Entwurzelung durch Migration
Inhalt: Murat, in der nordtürkischen Stadt Samsun am
Schwarzen Meer geboren, zieht mit seiner Mutter und den beiden
jüngeren Schwestern nach Wien zu seinem Vater, der schon
seit Jahren hier arbeitet und alles für die Niederlassung
der Familie vorbereitet hat. Murat geht zur Schule, ist
lernwillig und wißbegierig und pflegt allmählich
Kontakte zu Nachbars- und Klassenkameraden. Trotzdem ist es
für den lebhaften, kommunikationsfreudigen Jungen ein Jahr
des Schweigens, in dem er pausenlos Eindrücke sammelt und
sie mit der Situation und den Erfahrungen in seiner Heimat
vergleicht. Auf diese Weise entsteht ein sehr lebendiges Bild des
türkischen Alltags, in dem die kindlichen Bedürfnisse
in den Mittelpunkt gestellt werden. Das Problem der Entwurzelung
versinnbildlicht Murat selbst: Von seinem Urlaub in der Heimat
bringt er einen kleinen Maulbeerbaum mit, den er in Wien hinter
dem Kastanienbaum, seinem Freund, einpflanzt. Der Autor, der sich
mehrmals selbst in die Geschichte einbringt, pflegt einen
überaus metaphorischen Stil. Die Natur in ihren
Erscheinungen ist stark personifiziert dargestellt (besonders das
Schwarze Meer: es wäscht sich z.B. mit weißem Schaum
das Gesicht, trocknet es mit den Wellen ab, pfaucht die
Möwen an etc.), was den Zugang zu Murats Gefühlswelt
erheblich erleichtert.
Serafettin Yildiz wurde 1953 im anatolischen Sürmene geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. 1978 kam er nach Wien und studierte Volkswirtschaft. Er schrieb bereits in der Türkei Lyrik und Prosa. Seine Bücher für Kinder und Erwachsene verfaßt er in deutscher und türkischer Sprache.