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Literatur der Welt im Unterricht ist ...
eine Idee
die weltweit anwendbar ist. Sie besteht darin, Literatur in der
Schule "grenzenlos" zu unterrichten und dabei Schwerpunkte zu
setzen, die auf die gesellschaftspolitische Situation vor Ort
Bezug nehmen. Es sollen Werke herangezogen werden, die einen
Zugang zu den Lebenswelten von ethnischen und sozialen
Minderheiten ermöglichen und die von Angehörigen
dieser Gruppen verfaßt sind: Authentische Literatur -
nicht über sie, sondern von ihnen. Werke aus dem
Bereich der traditionellen Volksgruppen gehören ebenso
hierher wie Werke von Angehörigen sozialer Minderheiten, zum
Beispiel von Behinderten und Homosexuellen; weiters Werke von
Flüchtlingen und MigrantInnen, die ihre Erfahrungen
während der Wanderung/Flucht und im Gastland verarbeiten,
ergänzt durch die Literatur ihrer "Herkunftskulturen" als
Zugang zu ihrer Gedankenwelt. Literatur der Welt ist eine
Alternative und Ergänzung zum klassischen Kanon der
Weltliteratur. Der so erweiterte Literaturunterricht ist
grundsätzlich für das Sprachfach der Mehrheitssprache
ausgelegt, in Österreich also für das Fach Deutsch;
Werke aus Fremdsprachen sind in Übersetzung zu verwenden. Er
soll aber auch in weiteren Fächern Eingang finden, in denen
Literatur ergänzend verwendet werden kann (Geographie,
Religion, lebende Fremdsprachen usw.) bzw.
fächerübergreifend eingesetzt werden. Besonders
spannend ist der Unterricht, wenn Angehörige der in den
Texten vorkommenden Gruppen in der Klasse anwesend sind... (Bei
der Auswahl der Texte ist freilich besondere Sensibilität
angebracht!) Das Resultat wird immer ein Schritt gegen Rassismus
und Minderheitenfeindlichkeit sein.
ein Prozeß
der 1995 von der Initiative Minderheiten initiiert wurde und an
dem sich bis 1998 weitere sechs Partnerinstitutionen in
Österreich, Italien, Belgien und Deutschland beteiligt
haben. Es wurden literarische Texte recherchiert,
Unterrichtbehelfe entwickelt, Pilotprojekte an Schulen gestartet,
Kontakte zu Erziehungsinstitutionen hergestellt, Lehrende und
Multiplikatoren von der Idee angesteckt". Personen/Institutionen,
die in diesen Prozeß einsteigen wollen, mögen sich mit
der Initiative
Minderheiten/Büro Innsbruck in Verbindung setzen!
eine Utopie
die darin besteht, Literatur zu einem eigenen Fach zu machen,
welches grundsätzlich global angelegt ist - wie es bei
anderen Fächern der Kunstvermittlung, z.B. Musik oder
bildnerische Erziehung, üblich ist. Übrigens: In den
Niederlanden ist dies seit 1998 (fakultativ) der Fall. Und in
ungarischen Schulen nimmt im Fach Ungarisch die internationale
Weltliteratur schon seit langem einen Anteil von bis zu 40%
ein.