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Index

Inhalt: Der Sammelband enthält Märchen aus den Ost-, West- und Südslawen (Polen, Slowakei, Tschechien, Slowenien, Kroatien, Serbien und Bulgarien). Die ostslawischen Märchen zeichnen sich durch ihre herkömmliche Form und durch die archaischen Inhaltsmerkmale aus. In den Märchen der Westslawen stehen die Armen und die Reichen einander gegenüber, und der rebellische Geist, der vom Milieu der Hirten und Gebirgsbewohner getragen wird, ist deutlich erkennbar. In den Märchen der Südslawen ist der Geist des Orients eingedrungen, insbesondere ist der Widerhall der jahrhundertelangen Kämpfe mit den Türken spürbar.
Hauptfiguren: der Mann und das Mädchen
Schauplatz, Hintergrund: Hinterhof
Thema, Problem: der gegenseitige Respekt von zwei
Außenseitern
Inhalt: Er ist ein Außenseiter. Er hat große, klobige
Hände. Die Menschen fürchten ihn. Sie wissen nicht,
daß er jedes verletzte Vögelchen gesund pflegt. Ihm
gegenüber wohnt das gelähmte Mädchen. Sie
beobachtet ihn, sie hat ja sonst nichts zu tun. Das ist sein
Glück, denn eines Tages hält man ihn für einen
Mörder, und die einzige, die seine Unschuld beweisen kann,
ist das gelähmte Mädchen...
Zwi Aisnman, wurde 1920 als Jude in Warschau geboren. 1939-1945 in der Sowjetunion. 1946 Rückkehr nach Polen. 1947 wurde er beim Versuch, in Palästina einzureisen, verhaftet und auf Zypern interniert. 1949 Ankunft in Israel, gehört zu Literatenkreis "Jung-Israel"; zahlreiche Veröffentlichungen in Zeitschriften, Erzählbänden. Zwi Aisnman schreibt in Jiddisch.
Hauptfiguren: Ilja, der Lastwagenfahrer, und Asselj, seine
große Liebe
Schauplatz, Hintergrund: Pamirgebirge. Sowjetische Arbeitsmoral
fordert große Leistungen
Thema, Problem: Tollkühner Männlichkeitswahn setzt
alles aufs Spiel
Inhalt: Gegen alle kirgisische Tradition hat Asselj Ilja
geheiratet, den verwegenen Lastwagenfahrer. Aber der ist besessen
vom Gedanken, der beste und kühnste Fahrer des Pamir zu
sein, und er läßt sich auf immer verrücktere
Abenteuer ein.
Tschingis Aitmatow wurde 1928 in Scheker geboren. Studium an der landwirtschaftlichen Hochschule, erste Erzählungen, daraufhin Förderung: Studium am Moskauer Gorki-Institut. Erregt 1958 mit zwei Kurzromanen ("Aug in Auge" und "Djamila") Aufsehen. Beschreibt in der Folge die Menschen seiner Heimat vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs und der stalinistischen Repressionen. Später werden die Überlieferungen seines Volkes wichtige Quelle. Der letzte Roman "Der Richtplatz" warnt vor den Zerstörungen in der Natur. Aitmatow wurde vielfach ausgezeichnet.
Hauptfiguren: Rajka
Schauplatz, Hintergrund: Sarajevo während des 1. Weltkriegs
und der Nachkriegszeit
Thema, Problem: die Tragik des Geizes
Inhalt: Rajka Radakovic´verspricht ihrem sterbenden Vater
zu sparen. Aus dem Kampf gegen die Verschwendungssucht in der
Familie entwickeln sich bei Rajka Geiz, Kälte und
Einsamkeit. Es sind historische und persönliche
Umstände, der Zusammenbruch der privaten Welt und der von
politischen Ereignissen zerrissenen Außenwelt Bosniens, die
die Frau in die Verhärtung treiben. Dieses Meisterwerk ist
zwar düster, aber durch die einfühlsamen Schilderungen
der seelischen Zustände der Hauptfigur ganz
beeindruckend.
Ivo Andric´, geb. 1892 in Bosnien, studierte Philosophie in Zagreb, Wien, Krakau und Graz. Während des 1. Weltkrieg kam er wegen seiner politischen Tätigkeit gegen Österreich ins Gefängnis. 1924 ging er in den diplomatischen Dienst. Während der Besetzung Jugoslawiens lebte er zurückgezogen und schrieb Romane. 1961 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Er starb 1975 in Belgrad.
RomanHauptfiguren: der Mönch Petar
Schauplatz, Hintergrund: ein Gefängnis in Istanbul zur
Sultanszeit
Thema, Problem: Gefängnisleben voller Elend und
Ungerechtigkeit
Inhalt: Der Spionage verdächtig, ist der Mönch Petar im
"verdammten" Hof inhaftiert, wo er Zeuge schrecklicher Schicksale
der schuldigen und unschuldigen Insassen des Gefängnisses in
Istanbul zur Sultanszeit wird.
Hauptfiguren: der junge Zeitungsverkäufer Ömer
Schauplatz, Hintergrund: eine Stadt in der Türkei
Thema, Problem: Schilderung des harten Alltags eines armen
Menschen
Inhalt: Beschrieben wird die harte Arbeit eines jungen
Kolporteurs.
Burhan Arpad, geb. 1910 in Mudanya/Türkei, Erzähler und Übersetzer (aus dem Deutschen).
ErzählungHauptfiguren: Ali
Schauplatz, Hintergrund: eine "Farm" in der Türkei
Thema, Problem: Untreue des Vaters, Kränkung der Mutter,
tiefe Zerrissenheit des Kindes
Inhalt: Alis Vater hat seine Mutter betrogen, jetzt droht die
Familie auseinanderzubrechen. Ali ist vollkommen verwirrt und in
seinen Gefühlen zwischen Mutter und Vater hin- und
hergerissen. Der Großvater versucht zu vermitteln, aber
erst als Ali in seinen Träumen den zunächst in einen
Frosch, dann in eine Eule verzauberten Vater durch seine Liebe
erlöst, gelingt die Versöhnung. Diese Geschichte ist in
mehrerer Hinsicht besonders wertvoll:
* Den Erwachsenen wird die Welt des Kindes, damit auch seine
Gefühlswelt und die buchstäbliche Ohnmacht, in die es
durch die Trennung der Eltern gedrängt wird, bildhaft vor
Augen geführt.
* Das Kind lernt, wie schnell es selbst in den Kreislauf von
Beschuldigung und Vorurteil gerät und welch große
Kraft es braucht, einzig durch Vertrauen lieben zu
können.
* In märchenhaften Bildern werden die Schwierigkeiten und
damit auch der besondere Wert des Verzeihen-Könnens
aufgezeigt. Sehr empfehlenswert!
Autoreninformation nicht vorhanden.
TheaterstückThema, Problem: Habgier
Inhalt: Im dunklen Reich, wo man nichts sehen kann, liegen am
Boden kleine Steine. Ob man diese Steine mitnimmt oder nicht, man
wird es jedenfalls bereuen. Denn es sind Edelsteine. Da bereuen
die einen, dass sie keine mitgenommen haben, die anderen aber,
daß sie nicht mehr von ihnen mitgenommen haben.
Hauptfiguren: Ich-Erzähler, und ein mittelaltriger
Alleinstehender
Schauplatz, Hintergrund: eine Stadt in Albanien
Thema, Problem: wie Fremdenfeindlichkeit und Gewalt
entstehen
Inhalt: Ein mittelaltriger Alleinstehender kämpft verbissen
gegen Krähen, die sich rapid vermehren. Nicht einmal ein
ungeheures Unwetter kann ihn davon abhalten. Das wird ihm zum
Verhängnis. In dieser kurzen Erzählung beschreibt
Basha, wie Fremdenhaß und Gewalt entstehen. Die Fremden -
symbolisiert durch Krähen, die sich scheinbar unaufhaltsam
vermehren - "sind das Übel dieser Welt, und sie müssen
ausgerottet werden, bevor sie von ihr Besitz ergreifen und sie
mit ihren Übeln überziehen."
Eqrem Basha wurde 1948 in Prishtinë/Kosova geboren. Er arbeitet als Schriftsteller und Journalist.
ErzählungHauptfiguren: das Mädchen Bahar
Schauplatz, Hintergrund: Türkei
Thema, Problem: Es geht um Bahars kulturelle
Identität.
Inhalt: Die etwa 8jährige Bahar Marianne ist in Deutschland
geboren. Ihre Mutter ist Deutsche, ihr Vater Türke.
Anläßlich der Hochzeit einer Tante reist Bahar mit
ihrem Vater in die Türkei. Obwohl sie von den Verwandten
sehr herzlich empfangen wird, fühlt sich Bahar fremd,
verhält sich abweisend und spricht nur ungern türkisch.
Als sie im Bazar ihren Vater sucht, verläuft sie sich. In
einem Teppichgeschäft beginnt plötzlich eine Gazelle
aus einem Wandteppich heraus zu sprechen: das Tier möchte
Bahar den Weg nach Hause weisen. Bahar nimmt den Teppich und
läuft los. Die Gazelle verwandelt sich in ein
türkisches Mädchen, ihr zweites Ich. Die beiden
verstehen sich sehr, und Bahar spielt und spricht auch mit
anderen türkischen Kindern, bis sie schließlich am
Haus der Tante angelangt ist. Hier verabschiedet sich die
Doppelgängerin und verschwindet geheimnisvoll. Für
Bahar ist der Bann gebrochen: jetzt fühlt sie sich auch hier
daheim und tanzt bei der Hochzeit mit den anderen fröhlich
mit. Es geht um Bahars kulturelle Identität. Das Problem des
Mädchens, sich in zwei Kulturen wohl fühlen zu
können, wird auf phantasievoll-poetische Weise behandelt,
sodaß sich sowohl deutsche als auch
türkische/ausländische Kinder mit der Hauptfigur
identifizieren können. Der Einsatz der türkischen
Sprache ist so bewußt gewählt, daß Kinder der
Handlung mühelos folgen können. Die Perspektive bleibt
immer bei der meist deutsch sprechenden Bahar.
Hauptfiguren: der Kater Mikosch, der Löwe Hassan
u.a.
Schauplatz, Hintergrund: Bahnhof, Zirkusmanege u.a.
Thema, Problem: Freunde halten zusammen.
Inhalt: Der Kater Mikosch fährt ohne Absicht mit dem Zug weg
und verliert damit seinen Freund Thomas. Er trifft eine
Zirkustruppe und befreundet sich mit den Zirkustieren, aber er
hat Heimweh und Thomas fehlt ihm. Die Tiere, die Mitleid mit
Mikosch haben, bitten den Zirkusdirektor um Hilfe. Dieser findet
im Meister Nadelöhr einen guten Helfer: Nadelöhr singt
im Fernsehen über die Geschichte und das Leiden von Mikosch,
und der Bub Thomas versteht die Botschaft.
Jurij Brezan wurde 1916 geboren. Sein Werk umfaßt Romane, Erzählungen, Kinder- und Jugendbücher.
ErzählungHauptfiguren: zwei Schulbuben
Schauplatz, Hintergrund: Schulalltag
Thema, Problem: Mißverständnisse aus der Kindheit soll
man vergessen.
Inhalt: Zwei Schulfreunde sehen sich nach 25 Jahren wieder. Als
Kind hat Tone seinem Freund, dem Erzähler, Unrecht getan.
Seitdem plagt ihn der Gedanke daran. Eine nette Geschichte voller
Menschlichkeit.
Ivan Cankar geb. 1876 in Vrhnika, gest. 1918 in Laibach, (beide in Slowenien). Studium der Technik in Wien, freier Schriftsteller, einer der bedeutendsten slowenischen Dichter: Romane, Novellen, Erzählungen, Lyrik und Drama.
ErzählungThema, Problem: Liebe zur Natur, Sehnsucht nach
Wärme
Inhalt: Der Dichter ist schon zufrieden, wenn er die Erde riecht
und die Wolken sieht, und wenn ihn ein fremdes frierendes Kind im
Winter umarmt.
Milos Crnjanski, geb. 1893 in Czongrad, Ungarn, gest. 1977 in Belgrad, serbischer Schriftsteller: Lyrik und Romane.
GedichtThema, Problem: eine Definition von "Verstehen"
Inhalt: Ein kleines Gedicht mit vielen Aussagen - eine
tiefsinnige Definition von "Verstehen". "Verstehen / Ist eine
Reise / Ins Land / Eines anderen".
Fazil Hüsnü Daglarca, geb. 1914 in Istanbul, Armeeoffizier, Buchhändler, der bedeutendste zeitgenössische Lyriker der Türkei.
GedichtHauptfiguren: der Bub Robi
Schauplatz, Hintergrund: Budapest während der Jahre
1955/56
Thema, Problem: Probleme eines jüdischen Kindes, das unter
Christen aufwächst
Inhalt: Der zwölfjährige Jude Robi Singer, der im
Knabenwaisenhaus aufwächst und seine Mutter sowie
Großmutter an Wochenenden sieht, ist trotz dramatischer
Ereignisse der Jahre 1955/56 in Budapest mit sich selbst
beschäftigt. Kann ein guter Kommunist ein Jude sein? Und
wenn die Ungarn Christen sind, wie soll ein Ungar Jude sein? Die
Geschichte ist verschmitzt-ironisch erzählt.
György Dalos, geboren 1943 in Ungarn, veröffentlichte 1964 sein erstes Buch; von 1962 - 1967 studierte er an der Moskauer Universität, nach Schwierigkeiten mit den Behörden seines Landes wurden ihm 1968 in einem politischen Prozeß eine Haftstrafe und Arbeitsverbote auferlegt. Heute lebt er in Budapest und Wien als Schriftsteller und Publizist.
RomanThema, Problem: Krieg, Einsamkeit und Heimatlosigkeit.
Inhalt: Die 44 Gedichte handeln von Nostalgie, Freundschaft, der
Liebe zur Heimat und vom Alltag. Der Dichter kommt jedoch immer
wieder zu seinen Leitthemen zurück: Krieg, Einsamkeit und
Heimatlosigkeit. Folgende sind Kostproben: "hier klirren worte /
wie blutige glassplitter auf der untertasse / als ob im mund
merwins glas / zerbrochen wäre..." "nüchtern erwacht
hast du im zimmer einer / unbekannten eine / zerstörte stadt
geträumt über die straße / zerstreut fotografien
/ lächelnde ikonen von deren antlitz rüßige
tränen rinnen / ein jahr im exil...."
Dragoslav Dedovic, geboren 1963 in Zemun, Journalistikstudium in Sarajevo, freie Mitarbeit für Radio Sarajevo, ab 1990 Verlagslektor in Tuzla. 1992 Emigration nach Deutschland, Aushilfsjobs in Nürnberg und Regensburg, zur Zeit in Aachen als Stipendiat der Heinrich-Böll- Stiftung.
44 Gedichte und ein EssayHauptfiguren: die jüngste Schwester
Thema, Problem: Gutmütigkeit wird belohnt
Inhalt: Die jüngste von drei Schwestern rettet einer
Kröte das Leben. Als Belohnung wird sie Gast in einem
Schloß und Patin eines Krötenkindes. Statt Gold und
Silber nimmt sie als Geschenk nur eine Handvoll Kehricht an, und
jedes Stäubchen verwandelt sich zu einem
Goldkörnchen.
Pavol Dobsinsky, geb. 1828 in Slavosovce, gest. 1885 in Driencany, Pfarrer in Ost- und Mittelslowakien, sammelte und veröffentlichte slowakische Volksmärchen und Lieder.
MärchenThema, Problem: Probleme von Menschen, die fern ihrer Heimat
leben
Inhalt: Gedicht über Heimweh und Einsamkeit der
Gastarbeiter.
Bülent Ecevit, geb. 1925 in Istanbul, türkischer Politiker, 1978/79 Ministerpräsident der Türkei, Journalist, Lyriker und Übersetzer.
GedichtHauptfiguren: Ich-Erzähler, ein Türke , und Halit,
ein Kurde
Schauplatz, Hintergrund: Ein Bergdorf im äußersten
Südosten der Türkei
Thema, Problem: Selbstfindungsprozeß
Inhalt: Den Ich-Erzähler verschlägt es eines Tages in
ein Dorf der fernen Provinz Hakkari, im äußersten
Südosten der Türkei gelegen. Er bezeichnet sich selbst
als gestrandeten Kapitän, der einen ganzen Winter lang in
dieser Bergregion als Lehrer dient, konfrontiert mit Menschen
anderer Prägung und einer Sprache, die er nicht versteht.
Die harten äußeren Lebensbedingungen, das monatelange
Eingeschneitsein, die rätselhafte Krankheit, an der
nacheinander Säuglinge sterben, und die Beobachtungen an
einigen merkwürdigen Dorfbewohnern werden ebenso lapidar
geschildert wie die Veränderungen, die der Ich-Erzähler
in der Einsamkeit an sich selbst wahrnimmt. Alle Werte der bisher
erlebten Zivilisation verlieren hier ihre Gültigkeit. Am
Ende steht es dem Ich-Erzähler frei, die Enge des
Gebirgsdorfes wieder zu verlassen. Um den Wandel des
Protagonisten für den Leser nachvollziehbar zu machen,
bedient sich der Autor einer extrem knappen Sprache. Stilistisch
wechselt er zwischen Dialogszenen, Erzählpassagen,
Tagebuchnotizen und Gedichten; der Leser wird oftmals direkt
angesprochen. "So darf Edgüs Buch als Sprachkunstwerk ersten
Ranges gelten, das zugleich Selbsterfahrungsbericht und
Sozialroman ist.“ (Kindler Autoren-Lexikon) Aufgrund der
Verschiedenartigkeit der Darstellungsformen innerhalb dieses
ungewöhnlichen Romans ist zu Beginn eine Anpassungsphase an
den komplexen Stil nötig. Danach allerdings gelingt ein
völliges Eintauchen in den eigenwilligen Schreibstil des
Autors, und die Neugier an den mit einfachen Worten geschilderten
Ereignissen im Bergdorf reißt nicht mehr ab. Berührend
gelingen die Beschreibungen menschlicher Begegnungen des
Ich-Erzählers mit den sterbenden Kleinkindern, mit seinen
Schulkindern, mit einigen der Dorfbewohner, vor allem mit Halit,
der ihm in besonderer Weise zugetan ist. Aber so wenig
Gewißheit darüber herrscht, ob Halit tatsächlich
zwei Perser erschossen hat, so wenig verifizierbar ist die
Aussage des Ich-Erzählers, er sei ein mit seinem Schiff
gestrandeter Kapitän. Der Rätselcharakter des Romans
und somit auch die Spannung bleiben bis zum Schluß
bestehen.
Ferit Edgü, 1936 in Istanbul geboren, studierte Malerei und lebte 1958 bis 1964 in Paris. Er kehrte in die Türkei zurück, um seinen Militärdienst zu absolvieren, und wurde als Lehrer in das Dorf Pikanis, Provinz Hakkari, geschickt, wo er ein Jahr blieb. In Istanbul leitete er anschließend eine Werbefirma, eine Galerie und einen Verlag. Er veröffentlichte mehrere Romane und Kurzgeschichten-Sammlungen und gilt als ein Exponent der städtischen, experimentellen Literaturströmung der Türkei. Erden Kirals Verfilmung von "Ein Winter in Hakkari“ wurde mit dem Silbernen Bären von Berlin ausgezeichnet.
RomanHauptfiguren: Der elfjährige Alekber und Balakerim, der
Flötenspieler
Schauplatz, Hintergrund: Baku, Altstadtviertel.
Thema, Problem: Der Alltag der kleinen Leute zwischen der
täglichen Unbill und der politischen Überwachung
Inhalt: Der erwachsene Alekber kommt in das Viertel zurück,
in dem er seine Kindheit erlebt hat. Er sucht seine Freunde und
findet nur Erinnerungen, vor allem Erinnerungen an Balakerim und
dessen Geschichten vom weißen Kamel.
Elçin wurde 1943 als Sohn des Schriftstellers Ilyas Efendiyev in Baku geboren. 1966 erster Erzählband "Eine von tausend Nächten". Nach Veröffentlichung weiterer Novellen, Erzählungen, literaturkritischer Arbeiten zwei Jahre Schreibverbot während der Ära Breschnev. Übersetzt klassische und moderne Weltliteratur ins Aserbeidschanische. Elçin lebt in Baku.
RomanHauptfiguren: Nebile, eine Hausfrau; ihr Ehemann; Selahattin
Bey, ihr Nachbar
Schauplatz, Hintergrund: eine türkische Wohnung
Thema, Problem: Versuch einer Frau, mit Konventionen zu
brechen.
Inhalt: Nebile will aus ihrem eintönig geführten
Alltagsleben ausbrechen. Jeden Tag, wenn Mann und Kinder aus dem
Haus sind, kratzt sie in der Besenkammer an der Wand, um eine
Öffnung zur Nachbarswohnung zu schaffen, aus der sie
Geräusche eines glücklichen Lebens hört. Eines
Tages gelingt es ihr tatsächlich. Nachdem sie in ihrer
eigenen Wohnung wie immer alles in Ordnung gebracht hat, zieht
sie ein besonders hübsches Kleid an, kriecht durch die
Öffnung und befindet sich in der Dunkelkammer ihres Nachbarn
Selahattin Bey, der hier gewöhnlich seine Fotos entwickelt.
Als er Nebile entdeckt, reagiert er zwar überrascht,
ungelegen ist ihm der Besuch jedoch nicht. Auch er ist mit seiner
Ehe nicht zufrieden, und so versorgt er die heimliche
Mitbewohnerin zunächst mit dem Nötigsten, später
auch mit Kleidern, Blumen und der Pille. Nebile genießt die
aufregende Liebesbeziehung und wartet sehnsüchtig auf den
Tag, an dem sie aus der Dunkelkammer in seine Wohnung würde
hineingehen können. Die Geschichte Nebiles ist absurd, doch
zeigt sie die große Sehnsucht nach Veränderung auf.
Durch ihre Verpflichtung zum Gehorsam bleibt der Ehefrau kein
Spielraum, die Eintönigkeit des Alltags abzustreifen. Den
einzigen Ausweg bietet ihre Phantasie. Erstaunlich ist die
Konsequenz, mit der die Autorin die Hausfrau ausbrechen
läßt: eine Rückkehr zur eigenen Familie steht
nicht zur Debatte.
Nazli Eray wurde 1945 in Ankara geboren. Sie absolvierte in Istanbul die American High School, arbeitete bis 1968 in einem Ministerium und veröffentlicht seit 1976 Erzählungen und Romane.
ErzählungHauptfiguren: der Bär Ota und der junge
Förster
Schauplatz, Hintergrund: ein Wald
Thema, Problem: Das Miteinanderteilen macht Freude.
Inhalt: Der Bär Ota darf ab und zu vom Garten des
Forsthauses, wo ein alter Förster lebt, Obst holen. Als sich
der Förster zur Ruhe setzt, folgt ihm ein junger
Förster mit seiner Familie nach. Er legt um das Haus und den
Garten einen hohen Zaun an, was Ota sehr traurig macht. Eines
Tages geht der Förster in den Wald, um Holz zu hacken. Ein
Baum fällt auf ihn nieder. Ota, der gerade seinen
Winterschlaf hält, hört seine Hilferufe. Der Bär
rettet ihn und trägt ihn nach Hause. Noch bevor er wieder
gesund ist, brennt der Förster den Zaun nieder.
Hauptfiguren: ein alter und ein junger Hirte
Schauplatz, Hintergrund: auf dem Land in der Slowakei
Thema, Problem: Menschen haben verschiedene
Sehnsüchte.
Inhalt: In dieser kurzen Geschichte erzählt Habaj vom
Tagesablauf zweier slowakischer Hirten. Behutsam deutet er das
Unverständnis zwischen den Generationen an. Auf der einen
Seite der alte Hirte, der sich einen Nachfolger wünscht, auf
der anderen Seite der Bub, der sich nichts sehnlicher
wünscht, als Seemann zu werden, denn: "Wenn ich zur See
fahre, kriege ich eine Uniform..."
Ivan Habaj, geboren 1943 in Urmince, nach dem Studium Arbeit als Jurist und Autor.
ErzählungHauptfiguren: Esther
Schauplatz, Hintergrund: Wilna/Polen und Sibirien
Thema, Problem: Ein Kind lernt das harte Leben kennen, verliert
dabei aber nicht den Mut.
Inhalt: Esther Rudomin ist 10 Jahre alt und lebt wohlbehütet
im polnischen Wilna. Eines Tages werden sie und ihre Familie als
"jüdische Kapitalisten" von russischen Soldaten zur
Umsiedlung abgeholt. Mit vielen anderen kommen sie nach Sibirien.
Fünf Jahre voller Entbehrungen und Not stehen ihnen bevor.
Esther erlebt Hunger, Krankheit und Tod, Erniedrigung und
Einsamkeit. Aber sie findet auch Freunde und lernt sich
durchzusetzen. Sie beginnt, die Steppe zu lieben, und sie liebt
auch ihr Leben inmitten dieser Einsamkeit - denn es ist ihr
Leben.
Esther Hautzig wurde 1931 im polnischen Wilna geboren und lebte von 1941 bis 1946 in der Verbannung in Sibirien. Nach dem Zweiten Weltkrieg wanderte sie mit ihren Eltern nach New York/USA aus, wo sie heute mit ihren 2 Kindern noch lebt. Dort studierte sie und arbeitete in einem Verlag für Kinder- und Jugendbücher. Sie hat mehrere Bücher verfasst.
AutobiographieHauptfiguren: der Philosoph Kopriva
Schauplatz, Hintergrund: Tschechien zur Zeit des
Nationalwiderstandes
Thema, Problem: Ein hoch geschätzter Mensch fühlt sich
überfordert.
Inhalt: "Largo Desolato" ist das erste Theaterstück, das
Havel nach seiner Haftentlassung 1983 geschrieben hat. Held des
Stücks ist der Philosoph Leopold Kopriva. Kopriva - eine
Symbolfigur des Widerstands - ist nicht mehr imstande, die
Erwartungen, die in ihn gesetzt werden, zu erfüllen.
Václav Havel, 1936 in Prag geboren, arbeitete zunächst als Beleuchter, Sekretär, Regieassistent, Dramaturg und Hausautor am Prager "Theater am Geländer". Schon mit seinen beiden ersten Theaterstücken ("Das Gartenfest" 1963, und "Benachrichtigung" 1965) gelang ihm der internationale Durchbruch. Weitere Stücke folgten. 1968 wurde Havel in der CSSR mit einem Publikations- und Aufführungsverbot belegt. Als Mitbegründer und Sprecher der "Charta 77" wurde er mehrmals angeklagt und verhaftet. 1978 wurde er zu 14 Monaten ohne Bewährung verurteilt, wegen einer schweren Erkrankung jedoch einige Monate vor Ablauf der Strafe entlassen. Er erhielt zahlreiche Literaturpreise im In- und Ausland, die Universitäten Toulouse und York verliehen ihm die Ehrendoktorwürde, und er ist Ehrenmitglied einiger PEN-Clubs. Nach der samtenen Revolution wurde er zum Staatspräsidenten der CSSR (später CSFR) gewählt. Seit der Trennung der beiden Staaten ist er Staatspräsident der Tschechischen Republik.
TheaterstückHauptfiguren: Bonifaz
Schauplatz, Hintergrund: Böhmen im 19. Jh.
Thema, Problem: Kindheit und Abenteuer eines humorvollen
Jungen
Inhalt: Die Geschichte des Waisenknaben Bonifaz beginnt mit einem
Gerichtsbeschluss aus dem Jahre 1867, der besagt, dass
künftig der Oheim Emil Schroll das Sorgerecht für
Bonifaz übernehmen soll. Und damit hat Bonifaz Glück.
Erzählt wird, wie der Knabe mit dem Räuber Knapp
Freundschaft schließt, wie es ihn in das gottverlassene
Dorf Graab verschlägt und warum das Leben auf dem
Schulzenhof gar nicht so schlecht ist. Der Autor besitzt einen
wachen Blick für Ungerechtigkeit, weiß aber die
Geschichte mit Humor und Poesie kindgerecht zu machen.
Josef HOLUB, geboren 1926 in Neuern (Böhmerwald), machte eine Ausbildung als Lehrer und Verwaltungswirt. Als ausgeübte Berufe nennt er Schmuggler, Kunstgewerbler, Briefträger und Oberamtsrat bei der Post. Er hat 3 Kinder und lebt heute in Deutschland. Sein Roman "Der rote Nepomuk" wurde mit dem Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Oldenburg ausgezeichnet.
RomanHauptfiguren: Pepitschek und Jirschi
Schauplatz, Hintergrund: Böhmen zur Nazizeit
Thema, Problem: Unterdrückung und Verfolgung zur
Nazizeit
Inhalt: Der zwölfjährige Tscheche Pepitschek und der
zwölfjährige Deutsche Jirsche sind die besten Freunde.
Einen Sommer lang erleben sie in Böhmen das Paradies - bis
Hitlers Truppen die Grenze ziehen zwischen den Deutschen und den
"Böhmacken". Der Roman ist ein Protokoll eines zerbrechenden
Vorkriegsidylls in einem Vielvölkerstaat kurz vor seinem
Ende. Die Verschränkung von Abenteuererzählung und
intensiver Milieuschilderung macht das Buch zu einem "Stück
erzählter Geschichte" (aus: "Die Zeit").
Josef Holub, geboren 1926 in Neuern (Böhmerwald), machte eine Ausbildung als Lehrer und Verwaltungswirt. Als ausgeübte Berufe nennt er Schmuggler, Kunstgewerbler, Briefträger und Oberamtsrat bei der Post. Er hat 3 Kinder und lebt heute in Deutschland. Sein Roman "Der rote Nepomuk" wurde mit dem Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Oldenburg ausgezeichnet.
RomanHauptfiguren: die 10-jährige Zeynep, ihr 11-jähriger
Bruder Emre, die Großmutter Selma
Schauplatz, Hintergrund: eine Großstadt in der Türkei,
vermutlich Istanbul
Thema, Problem: Versuch eines kleinen Mädchens, aus dem
Traditionsgefüge auszubrechen, und allmähliches
Erkennen von Lebenszusammenhängen
Inhalt: Zeynep, die Ich-Erzählerin, verbringt mit ihrem
Bruder einige Tage bei Selma. Entgegen der Tradition in ihrer
Heimat möchte Selma mit ihrem Vornamen angesprochen werden
und nicht mit "Großmutter". Und entgegen der Tradition
spricht Zeynep ihren Bruder mit seinem Vornamen Emre an und nicht
mit "Abi", einer Art Titel für ältere Brüder, was
Emre besonders schmerzt. Er überredet seine Schwester,
wenigstens einen Tag lang mit ihm das "Abi-Spiel" zu spielen, das
in der türkischen Familie Alltagsrealität ist: die
jüngere Schwester muß ihrem älteren Bruder aufs
Wort gehorchen und alle seine Wünsche erfüllen. Ein
harter Tag für Zeynep, den sie nie mehr wiederholen will.
Aber auch in der Schule fällt ihr das Einordnen schwer. Und
erst das Lernen! Ihr Kopf ist ein Sieb, sagt Zeynep von sich
selbst. Mit ihrer kindlich-ungestümen Freiheitsliebe,
Abenteuerlust und Verspieltheit kommt sie ständig in
Konflikt mit dem streng autoritären Stil der türkischen
Schule. Zum Glück gibt es Selma. Sie ist Schriftstellerin
und schreibt mit Zeynep zusammen ein Buch. Während der
vielen Gespräche zwischen den beiden gelingt es Selma, ihrer
Enkelin die Augen zu öffnen und sie erkennen zu lassen,
daß alles im Leben zwei Seiten hat: eine schlechte, die
Zeynep immer als erstes bemerkt, aber auch eine gute, die nur
allzuoft verdeckt ist und von ihr gern übersehen wird.
Dieses Buch ist mit viel Humor, Esprit und Lebensweisheit
geschrieben. Wer es zu lesen beginnt, wird es bis zum
Schluß nicht mehr aus der Hand legen. Ein Muß
für jede Schulbibliothek!
Zehra Ipsiroglu wurde in Istanbul geboren und besuchte dort die Universität. Später studierte sie in Berlin deutsche Literatur und Theaterwissenschaft. Heute ist sie Professorin an der Universität in Istanbul und Theaterkritikerin.
ErzählungHauptfiguren: Sandro
Schauplatz, Hintergrund: Tschegem, ein kleines unbesiegbares
Dorf, hoch oben in den Bergen von Abchasien, einer kleinen Region
in Georgien
Thema, Problem: die Bestrebungen, von der allumfassenden Macht
der KPdSU so unabhängig und unbehelligt wie möglich zu
bleiben
Inhalt: Der dritte Band mit Geschichten von Sandro...
Hauptfiguren: Sandro
Schauplatz, Hintergrund: Tschegem, ein kleines unbesiegbares
Dorf, hoch oben in den Bergen von Abchasien, einer kleinen Region
in Georgien
Thema, Problem: die Bestrebungen, von der allumfassenden Macht
der KPdSU so unabhängig und unbehelligt wie möglich zu
bleiben
Inhalt: Sandro, Freiheitskämpfer, Volkstänzer und
Großmaul führt auch im zweiten Band den Parteiapparat
an der Nase herum.... Diesmal wurde die Kolchoskasse gestohlen,
Freud ist auf Besuch und ein abchasischer Denker erfindet die
Marxsche Mehrwert-Theorie neu...
Fasil Iskander, 1929 in Suchumi als Sohn eines Iraners und einer Abchasierin geboren, ging in Suchumi zur Schule, studierte in Moskau, arbeitete als Journalist in verschiedenen Gegenden der Sowjetunion. 1966 literarischer Durchbruch. Die "Sandro-Bücher" brachten ihm internationale Anerkennung, waren aber großteils in der Sowjetunion lange Zeit verboten. Fasil Iskander lebt heute in Moskau und Suchumi.
RomanHauptfiguren: Sandro
Schauplatz, Hintergrund: Tschegem, ein kleines unbesiegbares
Dorf, hoch oben in den Bergen von Abchasien, einer kleinen Region
in Georgien
Thema, Problem: die Bestrebungen, von der allumfassenden Macht
der KPdSU so unabhängig und unbehelligt wie möglich zu
bleiben
Inhalt: Sandro, Freiheitskämpfer, Volkstänzer und
Großmaul führt immer wieder erfolgreich den
Parteiapparat an der Nase herum. Und immer wieder ist irgendwo
der große Stalin in der Nähe. Einmal muß Sandro
sogar auf Stalins Bankett tanzen.
Fasil Iskander, 1929 in Suchumi als Sohn eines Iraners und einer Abchasierin geboren, ging in Suchumi zur Schule, studierte in Moskau, arbeitete als Journalist in verschiedenen Gegenden der Sowjetunion. 1966 literarischer Durchbruch. Die "Sandro-Bücher" brachten ihm internationale Anerkennung, waren aber großteils in der Sowjetunion lange Zeit verboten. Fasil Iskander lebt heute in Moskau und Suchumi.
RomanHauptfiguren: Sandro und seine Familie
Schauplatz, Hintergrund: Tschegem, das kleines unbesiegbare Dorf
hoch oben in den Bergen von Abchasien
Thema, Problem: die Bestrebungen, im Strudel der zerfallenden
Sowjetunion und der unvermeidlichen Kaukasuskämpfe eine
nationale Einheit zu bleiben
Inhalt: Der vierte Band ist melancholischer, da das Ende
Abchasiens befürchtet wird. Was Stalin nicht zuwege brachte,
den Stolz und die Unabhängigkeit der Abchasen zu brechen,
scheint nun durch die Verlockung des Geldes in den Städten
unausweichlich geworden zu sein.
Fasil Iskander, 1929 als Sohn eines Iraners und einer Abchasierin in Suchumi geboren, ging in Suchumi zur Schule, studierte in Moskau, arbeitete als Journalist in verschiedenen Gegenden der Sowjetunion. 1966 literarischer Durchbruch. Die "Sandro-Bücher" brachten ihm internationale Anerkennung, waren aber großteils in der Sowjetunion lange Zeit verboten. Fasil Iskander lebt heute in Moskau und Suchumi.
RomanHauptfiguren: der Kanari Muko
Thema, Problem: eine tiefgehende Beziehung zwischen Mensch und
Tier
Inhalt: Der Kanari Muko hängt sehr an seiner Besitzerin. Als
sie für einige Zeit verreist ist, weigert er sich, zu
fressen und zu singen. Dann wird er krank. Sobald er die alte
Dame wiedersieht, ist er gesund und munter.
Klára Jarunková, geb. 1922 in Cervena Skala, lebt in Bratislava (Preßburg), Redakteurin, Schriftstellerin: Romane, Novellen und Kinderbücher.
KurzgeschichteHauptfiguren: eine hundertzweiunddreißigjährige
Frau, die mehrere Kriege und Kämpfe erlebt hat
Schauplatz, Hintergrund: Albanien im Zweiten Weltkrieg
Thema, Problem: Albanier leisten Mussolinis Truppen
Widerstand.
Inhalt: Als Albanien von Mussolinis Truppen besetzt ist,
vereinigen sich die Stadtbewohner, um Widerstand zu leisten. Auch
eine alte Frau, "Großmutter" genannt, macht tapfer mit. Die
Erzählung "Blutwinter" ist ein Textausschnitt aus dem Roman
"Chronik in Stein" (Salzburg, 1988).
Ismail Kadaré, geboren 1936 in Gjirokastra, studierte in Tirana und Moskau; nachher arbeitete er als Journalist. Seit den sechziger Jahren veröffentlichte er mehrere Romane. Durch seine Arbeit fand die moderne albanische Literatur erstmals internationale Beachtung.
ErzählungHauptfiguren: Zehra, und Ahmet Bey, ihr Vater
Schauplatz, Hintergrund: Istanbul und Berlin
Thema, Problem: Wandel des Ehrbegriffs als Folge der
Konsumgesellschaft
Inhalt: Die kleine Zehra, die in einem Vorort von Istanbul wohnt,
wird von ihrem Vater streng erzogen. Sie soll zu einem
tugendhaften Mädchen heranwachsen. Als der Vater pensioniert
ist, gewinnt das Fernsehgerät zunehmend an Bedeutung. Die
Werbung avanciert zum Lieblingsprogramm der Familie. Wünsche
werden geweckt, Streit entsteht - aber nicht nur in Zehras
Familie. Die Leute beginnen, den Charakter eines Menschen an
seinem Besitz zu messen. Im Laufe der Jahre nimmt das
Konsumverhalten in der Umgebung von Zehras Familie zu. Auch die
Eltern des Mädchens werden vom Sog der Besitzgier
erfaßt, um vor Nachbarn und Freunden nicht minder zu
erscheinen. Doch die finanziellen Mittel sind begrenzt.
Schließlich gibt Ahmet Bey dem Wunsch seiner
herangewachsenen Tochter nach, in Deutschland ihr Glück zu
versuchen. Zehra findet eine Stelle in Berlin und schickt ihrer
Familie jeden Monat Geld, das den Eltern zur Anschaffung von
Wohlstandsgütern dient. Eines Tages wünscht sich der
Vater auch noch ein Auto, um nicht immer im Wagen der Nachbarin
spazieren fahren zu müssen. Doch Zehra hat inzwischen ihre
Arbeitsstelle verloren und wird auf Zeitungsannoncen aufmerksam,
in denen junge Ausländerinnen als Unterhaltungsdamen in Bars
gesucht werden.
Nazmi Kavasoglu, geboren 1945 in Babaeski/Türkei, ist Lehrer, Journalist und Schauspieler. Er lebt seit 1971 in Berlin. Brücken der Verständigung zu bauen ist für ihn eine überparteiliche Aufgabe. Seine Erzählungen werden seit Jahren von Zeitungen aller Konfessionen und politischen Richtungen abgedruckt. Er erhielt dafür 1984 als erster Ausländer den Konrad-Adenauer-Preis für Stadtjournalismus.
KurzprosaHauptfiguren: Fatma und ihr Vater
Schauplatz, Hintergrund: irgendwo in Deutschland
Thema, Problem: Wanderbewegung der Türken
Inhalt: Fatma, ein neugieriges kleines Mädchen, fragt ihren
Vater, woher die Türken kommen, warum sie aus Mittelasien in
die Türkei und aus der Türkei nach Deutschland gekommen
sind. Der Vater bemüht sich um eine kindgemäße
Erklärung und unterscheidet schließlich zwischen der
landschaftlichen/klimatischen Dürre und der Dürre in so
manchen Köpfen.
Hauptfiguren: Osman, ein kleiner Junge
Schauplatz, Hintergrund: dörfliche Umgebung in
Anatolien
Thema, Problem: Kinderarbeit aufgrund von Armut
Inhalt: Osman will um jeden Preis, dass seine Mutter ihn am
nächsten Morgen weckt, damit er bei der Arbeit auf dem Feld
mithelfen und mit seinem Verdienst die Armut der Familie lindern
kann. Die Mutter trennt sich schwer von ihrem Jungen, der noch
sehr klein und schmächtig ist. Nach Ansicht des Vaters
hingegen dürfe sich das Kind nicht an Faulheit
gewöhnen, sondern müsse so früh wie möglich
zur Arbeit angehalten werden. Auf dem Feld darf Osman
zunächst das Pferd führen, das die Kornbündel auf
einem Schlitten zum Dreschplatz zieht. Aber die Hitze macht ihm
schwer zu schaffen. Am Nachmittag verliert er das Bewusstsein.
Osman schämt sich darüber. Nach der Rückkehr ins
Dorf wartet das Kind geduldig auf seinen Lohn, um
schließlich mit diesem kleinen Lohn seiner Mutter um den
Hals zu fallen.
Yasar KEMAL wurde 1922 in einem Dorf Südanatoliens geboren und wuchs in größter Armut auf. Schon früh begann er unter dem Einfluss traditioneller Volkssänger Lieder zu improvisieren. Um sie niederschreiben zu können, lernte er als einziges Kind seines Dorfes lesen und schreiben. Er arbeitete als Taglöhner auf Reisfeldern und Baumwollplantagen, war Traktorfahrer, Fabriksarbeiter, Hirte, Wasserträger, Schuhmacher und Straßenschreiber in einer Kleinstadt. 1955 erschien sein erster Roman "Mehmed, mein Falke", der in der Türkei eine für dieses Land einzigartige Verbreitung in allen Volksschichten erreicht hat und auf Empfehlung der UNESCO und des Internationalen PEN-Clubs in über 30 Sprachen übersetzt wurde.
ErzählungHauptfiguren: Ahmet, der Hirte, und Gülbahar, die Tochter
des Pascha
Schauplatz, Hintergrund: der Berg Ararat und die Gegend rund um
den Berg
Thema, Problem: türkisches Recht contra überliefertes
kurdisches Recht, Machtmißbrauch, unglückliche Liebe,
Vertrauensbruch
Inhalt: Eines Tages steht vor Ahmets Hütte ein herrenloser,
wunderschöner, gesattelter Schimmel und will, trotz aller
Bemühungen, nicht mehr gehen. Für die Bewohner des
Ararat ist das ein Geschenk Allahs, das man nicht
zurückweisen darf. Der Pascha, der sein Pferd suchen
läßt, sieht das nicht so. Er läßt Ahmet
verhaften und einkerkern. Im Gefängnis vertreibt sich Ahmet
die Zeit mit Musik: er bläst die Flöte. Durch seine
sehnsuchtsvollen Melodien angelockt, besucht Gülbahar den
seltsamen Gefangenen. Sie verliebt sich in Ahmet, befreit ihn und
flieht mit ihm. Das fordert erst recht den Zorn des Paschas
heraus.
Hauptfiguren: Memed
Schauplatz, Hintergrund: Dörfer in Anatolien
Thema, Problem: Ein unterdrückter Mensch lehnt sich
auf.
Inhalt: In den abgelegenen Dörfern am Rande des anatolischen
Taurusgebirges herrscht der Grundbesitzer Abdi Aga. Auf dem
fruchtlosen Boden wachsen fast nur Disteln. Und von jeder Ernte
fordert der Dorftyrann zwei Drittel. Memed, der Bauernsohn, hat
seinen Haß auf sich gezogen und muß in die Berge
flüchten. Aus dem ängstlichen Knaben wird ein
Räuber, Rebell und Rächer des Volkes. Im Kampf gegen
den Aga verliert Memed seine Mutter, seine Braut und seinen
Acker, den die Bauern ihm für die Zeit nach der Amnestie
bereithalten. Er aber taucht unter. Sein Volk behält ihn in
Erinnerung. Der Roman ist sehr spannend und ohne
Sentimentalität erzählt. Auf Empfehlung der UNESCO und
des internationalen Pen-Clubs wurde er in über 30 Sprachen
übersetzt.
Hauptfiguren: Ich-Erzähler
Schauplatz, Hintergrund: eine Grenzstation zwischen Griechenland
und Albanien
Thema, Problem: Fremdenfeindlichkeit
Inhalt: Klosi beschreibt anhand einer Grenzstation zwischen
Griechenland und Albanien die Vorurteile und den Haß, die
entstehen können, wenn Menschen glauben, daß ihr
"Reichtum" durch Flüchtlinge bedroht wird.
Ardian Klosi, geboren 1947 in Tirana, langjähriger Studienaufenthalt in Österreich, arbeitet als Schriftsteller und Lehrbeauftragter in München.
ErzählungHauptfiguren: Kapitän Temel
Schauplatz, Hintergrund: ein Dorf in der Türkei
Thema, Problem: Ein Mann kämpft um einen Baum.
Inhalt: Eine Straße wird geplant, und ein prächtiger
Laubbaum soll gefällt werden. Ein Mann stellt sich gegen
diesen "Fortschritt".
Samim Kocagöz, geb. 1916 in Izmir, Türkei, Schriftsteller: Erzählungen und Romane.
ErzählungInhalt: Wir greifen heraus: "Das Gebet". Seite 46. Ein Gebet, das deutlich macht, dass ein Teil von uns vergänglich ist, der andere ewig besteht. "Mein Partisanenname". Seite 73. Kocbek war im 2. WK im engsten Kreis um Partisanenführer Tito. Er überlebte den Krieg und bewältigt die Erfahrungen zum Teil in diesem Gedicht. "Das Sterben der Worte". Seite 75. Der Autor vergleicht die Worte, die er einst aussandte, mit Vögeln, die erschöpft zu ihm zurückkehren. "Der Baum". Seite 81. Der Baum als ewiger Mittelpunkt und ständiger Begleiter. "Im Seminar". Seite 93. Es gibt viele Chinesen, Slowenen viel weniger. Deshalb müssen sie sich mit ihren Nachbarn zusammentun, um zu überleben. "Die schwarze Orchidee". Seite 113. Schlussabschnitt der Novelle. Der Partisan Gregor tötet, gezwungen durch den Befehl von oben, die schöne weißgardistische Spionin Katharina, die man auf frischer Tat ertappte.
Edvard KOCBEK, 1904 - 1981. Schon als Student schrieb er als christlich-sozialer Politiker Aufsätze in Zeitungen. Bald zählte er zu den führenden Jungpolitikern der Vorkriegszeit in Slowenien. Nach dem Krieg war er Minister, musste aber wegen Unstimmigkeiten mit der kommunistischen politischen Führung alle Ämter niederlegen und verdingte sich mit Übersetzungen und anonymen literarischen Texten.
Sammlung aus Lyrik, Novelle, EssayHauptfiguren: ein Bauer
Schauplatz, Hintergrund: ein Dorf in Kroatien im Ersten
Weltkrieg
Thema, Problem: Im Krieg hilft einem niemand, vor allem wenn man
in Armut lebt.
Inhalt: Eine Erzählung aus dem 1. Weltkrieg: Ein armer
Bauer, dessen Frau kurz vor seinem Einrücken zur
Marschkompanie gestorben ist, weiß nicht, was er mit seinen
zwei kleinen Kindern tun soll. Niemand kann ihm helfen. Die Armee
hat keinen Platz für Kinder. Werden sie den Krieg
überleben, wenn er sie verläßt?
Miroslav Krleza, geb. 1893 in Zagreb, gest. 1981, kroatischer Dichter, schrieb Balladen, Novellen, Romane; 1971 österreichischer Staatspreis für Literatur.
ErzählungHauptfiguren: verschiedene
Schauplatz, Hintergrund: eine kleine Stadt in Tschechien
Thema, Problem: der Kampf und das Spiel zwischen Mann und
Frau
Inhalt: Diese traurige Komödie über Liebe und Tod
spielt in einer kleinen Badestadt, deren Quellen Frauen angeblich
von der Unfruchtbarkeit heilen. Die Paare, die hier auftreten,
trennen sich zu Beginn, um am Ende wieder zusammenzufinden. Durch
Jakub, einem Opfer der stalinistischen Prozesse, kommt der Tod
ins Spiel.
Milan Kundera, geboren 1929 in Brünn, trat kurz nach dem 2. Weltkrieg in die Kommunistische Partei ein, aus der er 1948 wieder ausgeschlossen wurde. Er arbeitete als Musiker und Arbeiter, bis er zum Film kam und als Professor am Prager Institut für Filmwissenschaft Vorträge hielt. Nach der russischen Invasion 1968 verlor er seine Arbeit, seine Bücher wurden verboten. Seit 1975 lebt Kundera in Frankreich.
RomanHauptfiguren: der Märchenerzähler Meddah, der
11-jährige Oliver, dessen Freunde sowie ein
merkwürdiger Unbekannter
Schauplatz, Hintergrund: Rahmenhandlung: eine Großstadt in
Deutschland Märchen: osmanisches Großreich,
alttürkische Stämme
Thema, Problem: das Bewußtmachen der Bedeutung
mündlicher Überlieferung
Inhalt: An einem Neujahrsmorgen wollen Oliver und sein Freund
Timo gerade eislaufen gehen, da begegnet ihnen ein
merkürdiger alter Mann: es ist Meddah, ein
Märchenerzähler. Die Kinder sind erstaunt und neugierig
und hören eine erste Geschichte. In ihrer Begeisterung
erzählen sie den Vorfall weiter, und als Meddah jeweils nach
einiger Zeit wiederkommt, wächst seine Zuhörerschaft
stetig an. Etwas ist ihm ein besonderes Anliegen: Die
Märchen müssen weitererzählt werden, sonst sterben
sie aus. Die Kinder erfüllen seinen Wunsch, und ein
rätselhafter Unbekannter, der immer heimlich mithört,
sich Notizen macht und sich am Schluß als Schriftsteller
entpuppt, wird alle Geschichten aufschreiben, sodaß sie der
Nachwelt erhalten bleiben. Im Laufe eines Jahres erzählt
Meddah 12 Märchen. Klugheit und Menschlichkeit besiegen
Dummheit und Niedertracht. Alle Geschichten sind spannend zu
lesen, und die Rahmenerzählung macht das Buch zu einer sehr
unterhaltsamen Lektüre.
Kemal Kurt wurde 1947 in Corlu/Türkei geboren. Seit 1975 lebt er in Berlin, wo er heute als freier Autor arbeitet. Außer Kinderbüchern schreibt er Gedichte, Essays und Beiträge für Hörfunk und Fernsehen.
Märchen, eingebettet in eine RahmenerzählungHauptfiguren: die Gemeinschaft der Bewohner von "Anderland"
und der Mond
Schauplatz, Hintergrund: das Phantasieland "Anderland"
Thema, Problem: gemeinsame Lösung eines Problems, das alle
betrifft
Inhalt: In Anderland gehen die Uhren anders: hier wohnen nur
Zwerge, Kobolde, Feen, Elfen und solche, für die es auf der
Erde keinen Platz gibt, und sie gehen nur nachts ihren
Geschäften nach; tagsüber schlafen sie. Wie auf der
Erde leben die Bewohner von Anderland unter dem Einfluß des
Mondes. Doch dieser wird eines Tages krank, und der
Lebensrhythmus der Anderländer gerät durcheinander. Nun
ist guter Rat teuer. Die alte Fee weiß, daß es nichts
gibt, was die fünf Finger einer Hand nicht besorgen
können, wenn sie nur wollen. Und so werden sie nacheinander
herbeigerufen: Dumedott, Schleckerpott, Langelott, Goldfinger und
Piccolo. Mit vereinten Kräften gelingt es, den Mond wieder
gesund zu machen. Diese phantasievoll erzählte und
illustrierte Geschichte ist leicht zu lesen und macht neugierig
auf das Gelingen der "Mondreparatur".
Hauptfiguren: Edita
Schauplatz, Hintergrund: das heutige vom Bürgerkrieg
zerstörte Bosnien
Thema, Problem: Krieg und Alltagskultur Bosniens
Inhalt: Aus der Perspektive einer bosnischen
Flüchtlingsfamilie, die sich nach Deutschland retten konnte,
wird das Schicksal Kriegsvertriebener aus Bosnien dargestellt.
Die sechzehnjährige Edita sowie ihre Eltern und ihr Bruder
schildern nicht nur Ereignisse im Krieg, sondern auch die Kultur
ihrer Heimat.
Hauptfiguren: der Bub Koko
Schauplatz, Hintergrund: Familienhaus in Kroatien
Thema, Problem: Liebe zu Tieren und Prahlerei bei Kindern
Inhalt: Koko verliert seinen Hund. Dieser wurde von Dieben
vergiftet, die Hühner von Kokos Eltern stahlen. Rührend
wird geschildert, wie Koko und seine Schwester den Hund zum Grab
tragen. Der Junge lässt beim Berichten über den
Diebstahl seine Phantasie blühen.
Ivan Kušan, geb. 1933 in Sarajevo, seit 1939 in Zagreb, Kroatien, Studium der Malerei, seit 1953 als Schriftsteller tätig: Novellen, Romane, Kinder- und Jugendliteratur, teilweise mit eigenen Illustrationen.
KurzgeschichteHauptfiguren: das lyrische Ich
Thema, Problem: Liebe zu Frauen, zur Heimat und zur Menschheit;
Krieg; Einsamkeit; Bitterkeit
Inhalt: Lahollis Gedichte machen betroffen durch ihre Themen und
berühren durch ihre Sprache. Kostprobe: "Man führt uns
entlang / finsterer Pfade von Gesetzen, / wo der Tag den Tod /
seiner Geburt durchlebt. Durch die Liebe zu dir / wurde mein
Gedanke / mit Schönheit geschwängert. Die Einsamkeit /
füllt ihre Hände / mit toten Tagen."
Die Eltern des Dichters haben in Südalbanien gelebt. Um einer Einkerkerung zu entgehen, sah sich der Vater gezwungen, - nur einigen Wochen vor der Geburt Ferdinands - die Flucht zu ergreifen und später in die USA zu emigrieren. Die Folge davon war die Internierung seiner Familie. Ferdinand Laholli wurde am 16. Juni 1960 geboren. Erst nach Beendigung der Wehrpflicht wurde es ihm möglich, eine Abendschule zu besuchen. 1990 wanderte er nach Deutschland aus. Er schreibt Lyrik und Prosa.
GedichteHauptfiguren: das lyrische Ich
Thema, Problem: Liebe zu Frauen, zur Heimat und zur Menschheit;
Krieg; Einsamkeit; Bitterkeit
Inhalt: In diesem Gedichtband schildert der Dichter sein eigenes
einsames Leben. Die Liebe zu einem nahen Menschen, zur Menschheit
überhaupt, hält ihn aufrecht. In einem kurzen Gedicht
(S. 135) klagt er: "Ich bin / Staub aus Sehnsucht, / vom Winde
der Einsamkeit / zerstreut / in eine / von Kummer / vergiftete
Luft.“
Die Eltern des Dichters haben in Südalbanien gelebt. Um einer Einkerkerung zu entgehen, sah sich der Vater gezwungen - nur einigen Wochen vor der Geburt Ferdinands - die Flucht zu ergreifen und später in die USA zu emigrieren. Die Folge davon war die Internierung seiner Familie. Ferdinand Laholli wurde am 16. Juni 1960 geboren. Erst nach Beendigung der Wehrpflicht wurde es ihm möglich, eine Abendschule zu besuchen. 1990 wanderte er nach Deutschland aus. Er schreibt Lyrik und Prosa.
GedichteHauptfiguren: Salka Valka
Schauplatz, Hintergrund: ein Dorf am Axlarfjord
Thema, Problem: Dorfgemeinschaft contra Neuzugang, die Sehnsucht
und die Suche nach Geborgenheit
Inhalt: Mitten im eisigen Winter scheint für Sigurlina und
ihre kleine Tocher Salka Valka die Reise durchs Ungewisse zu Ende
zu sein: sie schließt sich dem Steinthor Steinsson an, im
Glauben, er könne ihr und der Kleinen ein gutes Leben
bereiten. Weit gefehlt..
Halldór Laxness (eigentlich: Kiljan Gudjónsson), wurde 1902 in Reykjavík geboren,. wuchs auf dem kleinen Bauernhof Laxnes auf, nachdem er sich benannte. Zahlreiche Auslandsaufenthalte während seiner Jugendjahre, Suche nach geistiger Orientierung, intensive Beschäftigung mit Katholizismus und Taoismus. 1926 - 1929 USA-Aufenthalt, Nähe zum Sozialismus. Erster großer Roman 1927, bis heute zahlreiche Romane, Gedichte, Erzählungen, Dramen, Essays. Literaturnobelpreis 1955.
RomanHauptfiguren: König Matyas
Schauplatz, Hintergrund: ein Bauernmarkt
Thema, Problem: Gerechtigkeit des Herrschers
Inhalt: Der gerechte, väterliche König hilft einem
armen Bauern, indem er diesen einen Hundemarkt abhalten
lässt und dessen Hunde kauft. Als ein anderer Bauer, der
reich und egoistisch ist, auf die gleiche Weise zum schnellen
Geld kommen will, darf er keinen Hundemarkt mehr abhalten.
Dénes Lengyel, geb. 1910 in Kisbaron, Ungarn, gest. 1987 in Budapest; Literaturhistoriker, Pädagoge, Schriftsteller.
AnekdoteHauptfiguren: eine Igelfamilie
Schauplatz, Hintergrund: im Haus der Igelfamilie
Thema, Problem: Durch Einfallsreichtum und Flexibilität
findet man sich im Leben immer zurecht.
Inhalt: Eine Igelfamilie langweilt sich in einem Winter. Sie
beschließt, einen Plattenspieler zu kaufen. Aber das Geld
reicht für die Nadel nicht mehr. Das Igelkind hat eine
Lösung: Man soll die Nadeln am eigenen Körper dazu
benützen.
Milos Macourek, geb. 1926 in Tschechien, lebt in Prag. Er arbeitet als Drehbuchautor für Film und Fernsehen und als Schriftsteller.
ErzählungThema, Problem: die Begegnung mit dem Fremden
Inhalt: In dieser Sammlung von Gedichten und Kurzprosa schreibt
der Autor über die Begegnung mit dem Fremden und dem
Menschen in dieser Fremde, voller Zweifel und Sehnsucht nach dem,
was er - ein Flüchtling - zurücklassen mußte.
Besonders lesenswert sind: Verlassen von sich selbst. S. 47-48.
"Verlassen von sich selbst / sitzen sie - und kauen die
Milchstraße des Unsinns." Nacht. S. 57. "Nacht ist die
Fuhre, dahinter Gedärme verharren. / Nacht ist dies mein
Wimmern und Schluchzen." Sinnestäuschungen der Völker.
S. 65. Tagundnachtgleiche. S. 95. Begräbnis im Dorf N. S.
177-179.
Kemal Mahmutefendic, bosnischer Schriftsteller, lebt seit 1992 in Burgenland.
Gedichte, KurzprosaThema, Problem: Liebe zu Mitmenschen
Inhalt: Ein Gedicht, das den Leser sicher zum Denken bringt:
..."für jeden Menschen / suche ich Begnadigung." ...
Desanka Maksimovic, geb. 1898, gest. 1993, serbische Lyrikerin.
GedichtThema, Problem: Liebe zu Mitmenschen
Inhalt: Ein Gedicht, das eine friedliche Atmosphäre
verbreitet: ..."Ich bitte um Erbarmen..../ für jene, denen
es nicht recht, / andern durch Wahrheit Schmerz zuzufügen, /
für Menschen, die aus Barmherzigkeit lügen." ...
Desanka Maksimovic, geb. 1898, gest. 1993, serbische Lyrikerin.
GedichtHauptfiguren: der Bub Tadej
Schauplatz, Hintergrund: Schule
Thema, Problem: Konflikt zwischen Kindern und Eltern, Lehrern und
Schülern
Inhalt: Der dreizehnjährige Tadej wird von seiner
Mathematiklehrerin unfair behandelt. Aus Ärger nennt er sie
Ziege. Zu Hause wird er von seinen Eltern bestraft; er darf nicht
mehr Fußball spielen, bis er sich bessert.
Vitan MAL, geb. 1946 in Slowenien, Jugend- und Drehbuchautor.
KurzgeschichteHauptfiguren: Monika Seleš
Schauplatz, Hintergrund: Tennisplatz
Thema, Problem: Ehrgeiz
Inhalt: Der Werdegang von Monika Seleš wird geschildert.
Ihr großes Talent als Tennisspielerin war schon in ihrem
zarten Kindesalter bemerkbar. Durch den Ehrgeiz ihres Vaters
konnte sie ihre Leistungsfähigkeit optimal steigern.
Slobodan Sv. Miletiæ, geb. 1938 in Belgrad, Serbien, Studium der Germanistik, Sportler, Tennislehrer; Lehrbeauftragter für Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Novi Sad; lebt seit einigen Jahren in Klagenfurt, Schriftsteller: Lyrik; Übersetzungen, Kritiken.
BiographieThema, Problem: Umwelt
Inhalt: Der Dichter appelliert an die Bewußtseinsbildung
für die Umwelt: "Verwundet nicht die Erde / Berührt die
Luft nicht / Tut dem Wasser kein Übel an..."
Branko Miljkovic, geb. 1934 in Nis, Serbien, gest. 1961 in Zagreb / Kroatien, Lyriker und Essayist.
GedichtHauptfiguren: Hayri, ein junger Barbier
Schauplatz, Hintergrund: türkische Gefängnisse
Thema, Problem: In diesem Roman werden mehrere Problembereiche
thematisiert: Homo-/Sexualität, Kriminalität,
Gefangenschaft, Todesstrafe, Frage nach der Gültigkeit der
Menschenrechte.
Inhalt: Der 21jährige Barbier Hayri kommt wegen Mordes an
einem sechsjährigen Jungen ins Gefängnis, wird zum Tod
verurteilt und schließlich, nach vierjähriger
Gefangenschaft, durch den Strang hingerichtet. In dieser
großartigen Satire erzählt der Autor von den vielen
Mühen, die dem Staat erwachsen, den jungen Barbier vom Leben
zum Tod zu befördern, und läßt dabei ein
eindrucksvolles Pamphlet gegen die Todesstrafe entstehen. "Ein
heftiges und lustiges, zuweilen brutales Buch. Dieser schmale
Roman gehört zur Weltliteratur.“ (Die Zeit)
Aziz Nesin (eigentlich: Mehmet Nusret), wurde 1915 als Kind anatolischer Immigranten in Istanbul geboren. Ausbildung im Internat der Istanbuler Kriegsakademie, Abschluß 1937 als Offizier. 1944 Herausgeber verschiedener kritischer und satirischer Zeitschriften. Veröffentlichte ab 1948 eigene Geschichten. Häufig Konflikt mit Zensur. Insgesamt mehr als 200 Prozesse und fünf Jahre Haft. Werke immer wieder verboten. Verfasser von über 70 Romanen, zahlreichen Erzählungen und Satiren, Theaterstücke. Humor als Waffe. Nesin starb 1995 in Çesme. Höchste internationale Auszeichnungen.
RomanHauptfiguren: Paschazade, ein Hochstapler und Betrüger
wider Willen
Schauplatz, Hintergrund: Missstände in der türkischen
Gesellschaft
Thema, Problem: Anprangern der Missstände
Inhalt: Der Ich-Erzähler trifft im Lauf seines Lebens immer
wieder auf Paschazade, der durch Zufall zum Betrüger und
Hochstapler geworden ist, und der ihm die verrücktesten
Geschichten, die er gerade erlebt hat, in den buntesten Farben
schildert. Die sozialen Missstände werden mittels Satire
angeprangert.
Hauptfiguren: ein Verrückter, ein Alter
Schauplatz, Hintergrund: ein türkischer Stadtteil
Thema, Problem: Identifizierung mit dem Andersartigen, Sprache
als Ausdruck sozialer Identität
Inhalt: Ein Verrückter steht auf dem Dach eines
sechsstöckigen Hauses. Um ihn vom Sprung in die Tiefe
abzuhalten, versprechen ihm die besorgten Bürger, ihn erst
zum Ortsvorsteher zu machen, sodann zum Stadtratsmitglied, zum
Bürgermeister, zum Präsidenten, schließlich zum
Kaiser. Als solcher denkt er nun nicht mehr daran, so schnell
wieder hinunterzusteigen. Schließlich findet ein Alter die
richtigen Worte, ihn Stockwerk für Stockwerk
herunterzuholen, indem er ihn mit Kaiserliche Hoheit,
Majestät etc. und in höflichster Manier anspricht. Die
Erzählung ist in einfachen Sätzen und witzig
geschrieben und daher leicht zu lesen.
Hauptfiguren: der alte Esel
Thema, Problem: die Untätigkeit der Intellektuellen
angesichts der wachsenden Repression, Zivilcourage
Inhalt: Der Esel bemerkt, daß sich ein Wolf anschleicht. Er
redet sich aber wider besseres Wissen ein, daß er sich
irrt, daß der Schleicher kein Wolf ist, ja daß sich
überhaupt niemand anschleicht, bis es zu spät
ist...
Hauptfiguren: der Elch Wölkchen oder Graue Wolke
Schauplatz, Hintergrund: ein Wald
Thema, Problem: Tarnung als eine Überlebensstrategie
Inhalt: Der kleine Elch Wölkchen wünscht sich rote
Kniestrümpfe, und seine Mutter schenkt sie ihm, obwohl sie
damit nicht einverstanden ist. Als er größer geworden
ist, muß er sich von der Mutter trennen. Die erste
Schwierigkeit kommt im Herbst, als die Jagdzeit beginnt. Mit
seinen roten Kniestrümpfen ist er die beste Zielscheibe.
Olga Neversilová, geb. 1934 in Prag, Studium der Slawistik, 1968 Emigration in die Schweiz, Lektorat an der Universität Bern, Schriftstellerin.
ErzählungHauptfiguren: Vatanen, ein Journalist
Schauplatz, Hintergrund: Finnland
Thema, Problem: Abenteuerlust; die eigenen Träume nicht
geringschätzen
Inhalt: Beinahe hat Vatanen ein Feldhäschen überfahren.
Er steigt aus und sucht das Tier. Sein Mitfahrer, ein Kollege des
Journalisten, wird ungeduldig. Er fährt weiter und
läßt Vatanen im Wald zurück. Als Vatanen das
Tierchen gefunden hat, macht er ihm in seiner Jackentasche ein
bequemes Plätzchen und wandert die Straße entlang, um
ein Nachtquartier zu finden. Er weiß es noch nicht, aber
jetzt hat für ihn ein neues Leben begonnen.
Arto Paasilinna, 1942 in Kittilä geboren, ist Journalist und Schriftsteller. Derzeit populärster Autor Finnlands, zahlreiche Preise.
RomanHauptfiguren: Kaiser Rudolf II, die Jüdin Esther, der
Jude Meisl
Schauplatz, Hintergrund: Prag um 1600
Thema, Problem: Liebende suchen sich zu vereinen, auch wenn ihre
Liebe "unmoralisch" ist.
Inhalt: Der Roman spielt in Prag um 1600. Kaiser Rudolf II
verliebt sich in die Jüdin Esther aus dem Prager Ghetto.
Doch sie ist die Frau des reichen Juden Meisl. Wie aus den beiden
doch noch ein Liebespaar wird, weiß nur der Hohe Rabbi
Loew.
Leo Perutz, geboren 1882 in Prag, war von Beruf Versicherungsmathematiker; er lebte in Wien. 1938 mußte er emigrieren und ging ins Exil nach Israel. "Nachts unter der steinernen Brücke" entstand in der Emigration.
RomanThema, Problem: Ungerechtigkeit in der Gesellschaft führt
zu Bitterkeit.
Inhalt: Zornig schreibt der Dichter über das Unrecht, das
täglich in seiner Heimat Kosovo geschieht. Diese Gedichte
sind nicht zuletzt eine Anklage an das vereinte Europa, das sich
in Ignoranz abwendet und den brutalen Status quo in Kosovo
akzeptiert. Beispiele: "Der Tod singt weiter / in Sarajevo / und
abgerissene Menschenköpfe / kommen weiter als Geschenk /
für das schlafende Europa" Oder: "Man stirbt nicht in Kosova
/ die Menschen werden bloß / zu Wurzeln zu Zweigen".
Ali Podrimja, geboren 1942 in Gjakovë, lebt in Prishtinë/Kosovo. Publizierte neben Prosa und Essays seit 1961 über 10 Gedichtbände. Seine Gedichte wurden in zahlreiche Anthologien aufgenommen. Erhielt 1992 in Kosovo den Pjeter-Bogdani-Preis, eine der wichtigsten albanischen Literaturauszeichnungen.
GedichteThema, Problem: Umwelt
Inhalt: Ein Appell zur besser durchdachten Umweltplanung, bei der
die Natur mehr berücksichtigt wird.
Vasko Popa, geb. 1922 in Vrsac, Serbien, gest. 1989 in Belgrad, Lyriker, Lenaupreisträger.
GedichtThema, Problem: ein inniges Verhältnis von Mensch und
Natur
Inhalt: Ein wunderschönes Gedicht, das ein inniges
Verhältnis von Mensch und Natur ausdrückt. Beispiel:
"Brachst mit deiner Ferse einen Zweig: / Und ein Vogel flattert
über deine Schulter. / Hast dein Ohr dem Boden zugeneigt: /
könntest jetzt das Lied der Steine hören."
Stevan Raickovic, geb. 1928 in Neresnica / Serbien, Schriftsteller: Lyrik; Übersetzungen.
GedichtHauptfiguren: der Soldat
Schauplatz, Hintergrund: der Fluß
Thema, Problem: Krieg, Gehorsam oder Befehlsverweigerung
Inhalt: Strengstens verboten ist es, im Fluß zu baden: auf
der anderen Seite ist der Feind. Der Soldat aber hält diese
Hitze nicht aus. Noch in der Nacht schleicht er zum Fluß.
Er genießt das Bad. Da entdeckt er einen zweiten Plantscher
im Fluß...
Antonis Samarakis, 1919 in Athen geboren, studierte Jus. 1935-63 Beamter im Arbeitsministerium. 1954 erster Band mit sozialkritischen Erzählungen, vielfach ausgezeichnet.
KurzgeschichteThema, Problem: Bitterkeit und Verzweiflung des Dichters
Inhalt: Mit Hilfe von Bildern aus der Natur beschreibt Shkreli
seine Gefühle von Bitterkeit und Verzweiflung am Leben.
Manchmal beklagt er sich bei Gott, oder er wird trotzig und
ironisch.
Azem Shkreli, geboren 1938 im Dorf Shkrel bei Pejë/Pec, lebt in Prishtinë. Er publizierte seit 1960 über 10 Gedichtbände, einen Roman, sowie Erzählungen und ein Theaterstück. Er gilt als Klassiker der modernen Dichtung im Kosovo.
GedichteHauptfiguren: die Haushälterin Emerenc
Schauplatz, Hintergrund: Ungarn im Ersten und Zweiten
Weltkrieg
Thema, Problem: Herzensgüte einer Frau, die die
Nächstenliebe praktiziert
Inhalt: Emerenc verliert schon als Kind ihre Eltern. Von den
Großeltern wird sie als Dienstmädchen in Budapest
verdingt. Als nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Ungarn
die Deportation der ungarischen Juden beginnt, rettet Emerenc den
Säugling ihrer jüdischen Dienstherren und gibt das Kind
als ihr uneheliches Kind in ihrem Heimatdorf zur Pflege. Trotz
Demütigung hat sie noch Kraft, jüdischen Verfolgten
Unterschlupf zu gewähren. Ihre Hilfsbereitschaft wird immer
wieder ausgenutzt.
Magda Szabó, geboren 1917 in Debrecen, ist eine der meistgelesenen ungarischen Schriftstellerinnen. Ihre Bücher wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt. Sie lebt heute in Budapest.
RomanHauptfiguren: Ich-Erzähler
Schauplatz, Hintergrund: die Slowakei während des
Nationalaufstandes und danach
Thema, Problem: Wie ein unterdrückter Mensch sich wehrt,
obwohl er machtlos ist.
Inhalt: "Allein gegen die Nacht", geschrieben Mitte der siebziger
Jahre, beschreibt das Leben eines Dichters zwischen staatlicher
Verfolgung und schwankenden Freunden und seiner Flucht in
Träume. Es ist ein Roman, der das Leben mit einem Netz
einfängt, dessen Knoten keine "Wahrheit", sondern Dichtung
sind. "Solange ich irgend jemanden interessiere," sagt der
Ich-Erzähler, "existiere ich nicht, und wenn einmal der
Haß auf meinen Namen und das Verbot verblaßt, dann
höre ich wieder auf, interessant zu sein."
Dominik Tatarka, 1913 in Drienové an der Waag/Slowakei geboren. Studium in Prag und Paris. Nahm am slowakischen Nationalaufstand teil. 1948 Nationalpreis für sein Romandebut "Die Pfaffenrepublik". Arbeit als Gießereiarbeiter, Verlagsredakteur, Filmdramaturg. Nach 1968 staatliche Verfolgung und Publikationsverbot. Verfaßte Romane, Erzählungen und Essays, die im Slowakischen weitgehend unveröffentlicht geblieben sind. 1986 wurde ihm der Jaroslav-Seifert-Preis verliehen. Dominik Tatarka starb 1989.
autobiographischer RomanHauptfiguren: der Posaunist, Ich-Erzähler
Schauplatz, Hintergrund: ein leerer Zug
Thema, Problem: Einsamkeit contra Zweisamkeit, die Grenzen der
Demütigung ausloten, die Grenzen der Beherrschbarkeit
erfahren, das Entstehen von Unterdrückung aus geringen
Mitteln
Inhalt: Zwei Reisende in einem sonst leeren Zug. Der eine will
seine Ruhe, der andere will quatschen. Es entspinnt sich ein
Gespräch, das immer absurder wird. Der schweigsame Fremde
tyrannisiert den Erzähler, der sich aus Gutmütkeit
nicht wehrt. Schließlich scheint die Situation zu
eskalieren...
Javier Tomeo, 1932 in Quicena in Aragon geboren, studierte Rechtswissenschaften und Kriminologie und arbeitete für einen internationalen Schreibmaschinenhersteller. 1968 erschien sein erster Roman. Durchbruch 1979. Javier Tomeo lebt als freier Schriftsteller in Barcelona.
RomanHauptfiguren: Lakis
Schauplatz, Hintergrund: die kleine Stadt
Thema, Problem: Suche nach Anerkennung, es geht nicht immer alles
mit rechten Dingen zu beim Fernsehen
Inhalt: In Sachen Sport kann man Lakis nichts vormachen. Er kennt
sich aus. So gut, daß er es schafft, in eine Quiz-Sendung
beim Fernsehen zu kommen. Er sieht sich schon als Sieger, doch
die letzte Frage war so schwierig, daß er passen muß.
Im Nachhinein entschuldigt sich der Quiz-Master bei ihm...
Vassilis Tsiamboussis wurde1953 in Drama geboren. Studium der Ingenieurswissenschaften in Thessaloniki. Vassilis Tsiamboussis lebt und arbeitet in Drama.
KurzgeschichteInhalt: Das Buch beinhaltet 21 zum Teil sehr kurze Märchen, deren Ende gut, vor allem aber gerecht ist. Das Böse wird nicht sehr ausführlich geschildert, wichtig sind das Gute und Heitere. Schon die jeweiligen Eingangsmärchen sind bloße Nonsens-Geschichten, oftmals gereimt. Häufig beginnen die Märchen mit "Es war einmal", "Es war keinmal" oder auch mit Rätseln. Die Helden der Märchen sind Prinzen und Prinzessinnen, Feen und Tiere. Die mündliche Märchenüberlieferung ist auch heute noch wichtiger Bestandteil der Kommunikation in Anatolien. Altanatolische Vorstellungen vermischen sich mit zentralasiatischen Mythen, indischem, persischem und arabischem Erzählgut. Viele orienatlische Märchenstoffe sind über die Türken nach Europa gelangt.
Adelheid Uzunoglu-Ocherbauer, 1942 in Graz geboren, studierte an den Universitäten Graz, Istanbul, Moskau und Wien, promovierte dort zum Doktor der Philosophie in den Fächern Turkologie-Islamwissenschaft und Slawistik; außerdem machte sie ihren Diplom-Dolmetscher für die türkische und russische Sprache. Seit mehr als zehn Jahren lebt sie in der Türkei auf einem kleinen Landgut an der nordägäischen Küste, das sie mit ihrem Mann bewirtschaftet. Für Rundfunkanstalten und Zeitungen des deutschen Sprachraums schreibt sie literaturkritische und feuilletonistische Beiträge und übersetzt Bücher.
MärchenHauptfiguren: die Wolke, der Müller und die
Gesundheit
Schauplatz, Hintergrund: eine Mühle an einem Bach
Thema, Problem: "Ohne die Gesundheit ist alles nichts."
Inhalt: Ein einsamer, fleißiger Müller hat nur eine
Staubwolke als seine beste Freundin. Als er wegen Zugluft
erkrankt, sorgt sich die Wolke sehr. Um seine Krankheit zu
verjagen, geht sie auf die Suche nach der Gesundheit, obwohl sie
jede Zugluft fürchtet. Doch der Wind hilft der Wolke, die
Gesundheit zu finden. Diese ist beleidigt, weil der Müller
sie vernachlässigt hat. Aus Mitleid kehrt sie aber zu diesem
zurück. Als der Müller wieder gesund wird, sorgt er
dafür, daß keine stärkeren Winde wieder in die
Mühle dringen.
Hauptfiguren: der weise Tor Jegor
Schauplatz, Hintergrund: die Wälder Rußlands
Thema, Problem: Ausbeutung der Natur, Naturschutz
Inhalt: Jegor wird im Dorf nicht sehr geschätzt. Er arbeitet
zu sorgfältig, mit zu viel Liebe zum Detail, stört
daher die planvoll-sozialistische Arbeit. Da er als Zimmermann
keine Arbeit mehr findet, wird er zum Forstgehilfen bestellt.
Auch hier findet er vieles, was ihn stört, was er daher auf
seine Weise verbessert - nicht immer zur Freude seiner
Vorgesetzten. Als schließlich ein neuer Oberförster
Jegors Heimatrevier inspiziert, ist er von Jegor und seinen
Ideen, die Natur zu schützen und nicht auszubeuten,
beeindruckt. Er befördert ihn und nimmt ihn mit in die
Stadt, wo er vor der überregionalen Forstversammlung seine
Ideen darstellen soll. Zuhause bleiben die Neider...
Boris Wassiljew, 1924 in Smolensk geboren, meldete sich noch als Schüler freiwillig zur Armee, um gegen die deutschen Invasoren zu kämpfen. Bis 1954 Soldat, zuletzt als Ingenieurs-Offizier. Nach der Teilnahme an einem Lehrgang für Filmautoren schrieb er zunächst Drehbücher und Dramen, um sich später auf Prosa zu spezialisieren. 1969 literarischer Durchbruch mit dem Roman "Im Morgengrauen ist es noch still". "Schießt nicht auf weiße Schwäne" erschien 1973 in mehreren Folgen in der Zeitschrift Junost.
RomanHauptfiguren: das Mädchen Lea und der Junge Said
Schauplatz, Hintergrund: ein Wald am Stadtrand
Thema, Problem: Wer die Natur zerstört, schadet sich
selbst.
Inhalt: Das Mädchen Lea und der Junge Said, die am Stadtrand
leben, lieben die Natur. Sie pflanzen gern Bäume. Eines
Tages kommen drei Händler in die Stadt. Sie wollen ihre
Edelsteine und Goldwaren gegen Holz tauschen. Die Stadtbewohner
stimmen begeistert zu. Gedankenlos hacken sie Holz für die
Händler, bis eine große Wüste entsteht. Sie
bereuen dann ihren Leichtsinn und beginnen, mit den Bäumchen
der beiden Kinder einen neuen Wald zu pflanzen.
Hauptfiguren: die junge Frau Armagan
Schauplatz, Hintergrund: Istanbul
Thema, Problem: Eine Frau versucht sich durchzusetzen.
Inhalt: Nachdem sie ihre Verlobung gelöst hat,
verläßt Armagan die kleine Stadt, in der sie
aufgewachsen ist, um in Istanbul ihren Weg zu gehen. Sie findet
eine Anstellung als Korrektorin bei einer Zeitung und freundet
sich mit einem Filmemacher an. Sie muß sich mühsam mit
ihren eigenen Ängsten und den Vorurteilen, die einer Frau in
der von Männern bestimmten Gesellschaft begegnen,
auseinandersetzen. Es ist die Zeit, in der in Istanbul Arbeiter
und Studenten auf die Straße gehen. Armagan fühlt sich
hin und her gerissen zwischen der Suche nach Selbstverwirklichung
und Glück und den politischen Überzeugungen, mit denen
sie sich konfrontiert sieht.
Aysel Özakin, in Urfa in der Türkei geboren, studierte Romanistik in Ankara und Paris. Nach ausgedehten Reisen und längeren Aufenthalten in Zürich, West-Berlin und Hamburg lebt sie heute als freie Schriftstellerin in London.
RomanHauptfiguren: Ich-Erzählerin
Schauplatz, Hintergrund: eine türkische Provinz
Thema, Problem: eine Frau zwischen zwei Kulturen
Inhalt: Die Suche nach der Freundin wird für eine
türkische Autorin, die in einem Arbeiterbezirk groß
geworden ist, zu einer Reise zurück in ihr beengtes Leben in
der türkischen Provinz und zu einer bitteren Bilanz des
Unverständnisses, auf das sie bei ihren Landsleuten und bei
denen, die sich aufgeklärt geben, stößt.
Hauptfiguren: Lehrerin N.
Schauplatz, Hintergrund: ein Gymnasium
Thema, Problem: Undurchschaubarkeit eines Menschen
Inhalt: Lehrerin N., ledig und damit eine Gefahr für die
unerschütterliche Familienehre, unterrichtet
Französisch an einem Gymnasium. Sie stellt höchste
Anforderungen an sich selbst und an ihre Schüler. Diese
zeigen allergrößten Respekt vor ihr. Da schlägt
eine Nachricht wie eine Bombe ein: Lehrerin N. wird heiraten.
Plötzlich können sich die Schüler ihre Lehrerin
als ganz normale Frau vorstellen: mit Morgenmantel, Pantoffeln
und wallendem Haar. Nach 14-tägigem Heiratsurlaub wird sie
zurückerwartet, jedoch vergeblich - der junge Ehemann, einst
selbst ihr Schüler, hat sie getötet. Diese kurze
Erzählung ist ein Musterbeispiel für eine
Personenbeschreibung bzw. Charakterdarstellung. Objektive
Schilderung wechselt ab mit Passagen, in denen die Lehrerin aus
der Perspektive der Schüler gesehen wird. Eine besonders
schön geschriebene und spannend zu lesende
Erzählung.
Hauptfiguren: Mustafa und ein armes Mädchen
Schauplatz, Hintergrund: in einem Nachtbus nach Istanbul
Thema, Problem: die Solidarität unter armen Leuten
Inhalt: Ein armes Mädchen muß seine Eltern verlassen,
um bei einer reichen fremden Frau zu arbeiten. Im Bus nach
Istanbul kommt es zwischen dem Mädchen und Mustafa, der auch
in Istanbul arbeiten will, zu einer stillen Verständigung,
zu einer Solidarität.