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/ Kulturen der Welt: Letteratura del mondo / Literatur der Welt. Diritti umani e dei popoli / Menschen- und Völkerrechte. Politica dello sviluppo e di pace / Entwicklungs- und Friedenspolitik. Questioni Nord-Sud / Nord-Süd Fragen. |
Herausgegeben von Sabrina Bussani
Bozen, 1. März 2005
"Die Kadogo (Kindersoldaten) sind äußerst gute Soldaten, denn sie haben keine Sorgen. Sie üben die Befehle aus, denken nicht daran, nach Hause zu gehen, zur Frau oder zur Familie. Und sie hane vor nichts Angst." (Ein Offizier der Rebellen der Demokratischen Republik Kongo)
Kriege haben jede Epoche und jede Gesellschaft zerrüttet
und viele Jahrhunderte lang stimmte die Geschichte der Menschheit
mit dem Verlauf eines Kriegs überein. Im Zeitalter des
größten Wachstums unserer Zivilisation, der
außerordentlichen technologischen Entwicklung und des
markantesten Einflusses unseres Wirtschaftmodells in der Welt
zeigen sich die Kriege jedoch von ihrer grausamsten Seite: seit
dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat es in der Welt ungefähr
200 Kriege gegeben, deren Preis in Menschenleben und in Leid
hauptsächlich von denjenigen bezahlt wurde, die keinerlei
Uniform trugen: Frauen, Senioren und vor allem Kinder. Die Kriege
des 20. Jahrhunderts haben insgesamt 110 Millionen Tote gefordert
- sechs Mal soviel wie die Kriege des 19. Jahrhunderts -, wobei
die Zivilopfer von 50% aller Opfer im Ersten Weltkrieg auf 66% im
Zweiten Weltkrieg und bis auf 90% in den heutigen Kriegen
anstiegen. Ein kämpfender Soldat hat also die besten
Chancen, einen Krieg zu überleben.
Seit 1987 sinken die Rüstungsausgaben weltweit im
regelmäßigen Rhythmus: 1998 wurde für
Rüstung bereits ein Drittel weniger als noch zehn Jahre
zuvor ausgegeben. Trotzdem ist weder die Anzahl noch die
Intensität der Kriege gesunken. Woher kommt diese Dissonanz?
Der Rückgang der Rüstungsspesen bezieht sich
hauptsächlich auf Nuklearwaffen und hochtechnologischen
Waffensystemen, die meisten Kriege werden jedoch mit den so
genannten "leichten Waffen" ausgetragen. Das sind Waffen, die in
Serienproduktion hergestellt werden, sie benötigen keiner
besonderen Technologie, werden von einer einzelnen Person
verwendet und eignen sich auch für den schwachen
Körperbau eines Kindes.
Weltweit kämpfen ungefähr 300.000 Kinder in ca. 30 von
50 zur Zeit laufenden Kriegen. Zwölfjährige,
Zehnjährige und sogar sechs Jahre alte Kinder werden von
Staatsarmeen oder von Rebellengruppen zwangsrekrutiert. Ihre
Aufgabenbereiche beschränken sich normalerweise auf
Spionage, Munitionsträger, Versorgung und sexuelle
Versklavung zur Befriedigung der Truppe. Viele aber töten,
foltern und sterben in den Kriegen der Erwachsenen. In den Reihen
der Bewaffneten gelangen meist Waisenkinder oder solche, die im
Laufe einer Flucht ihre Eltern verloren haben, die aus armen
Familien stammen oder einer ethnischen Minderheit angehören
oder auch Straßenkinder.
Manchmal melden sich die Kinder freiwillig, denn völlig
verarmt und ohne jegliche Mittel bietet die bewaffnete Gruppe die
einzige Überlebenschance oder wird zum Ersatz für die
verlorene Familie. Jedoch kann man schwerlich von
"Freiwilligkeit" sprechen, wenn doch das Leben keine besseren
Chancen bietet. Der Großteil der Kindersoldaten befindet
sich in Afrika (120.000 Kindersoldaten) und in Asien. So hat z.B.
die LRA (Lord Resistance Army - Resistenzarmee des Herrn) in
Norduganda zwischen Ende 2002 und 2003 ungefähr 8.000
Mädchen und Buben zwangsrekrutiert, während die
Staatsarmee Burmas bis zu 70.000 Kindersoldaten hat und auch
regelmäßig 12-Jährige in den Kampf schickt.
Minderjährige in Kampfeinheiten gibt es aber auch in
Amerika und in Europa. Bis 2002 konnte man sich bereits mit 17
Jahren freiwillig in der US-Armee melden und wurde dann auch in
internationale Militäraktionen geschickt: Minderjährige
haben in den Reihen der US-Streitkräfte in Somalien, Bosnien
und im Golfkrieg von 1991 gekämpft. In Europa "trumpft"
Großbritannien mit dem niedrigsten Aufnahmealter in den
Streitkräften: es genügt, 16 Jahre alt zu sein, um sich
für die britische Armee melden zu können und in
Krisengebiete geschickt zu werden, wie z.B. die 200
minderjährigen britischen Soldaten, die im Golfkrieg von
1991 mitgewirkt haben. Dank einer 5-jährigen breit
angelegten Kampagne gegen das Phänomen der Kindersoldaten
konnten endlich einige international-juristische Änderungen
erlangt werden.
Nach der Unterschrift und Ratifikation des Zusatzprotokolls zur
UN-Kinderrechtskonvention haben viele Länder die eigenen
Gesetze in Sachen "Kriegseinsatz von Kindern und Jugendlichen
unter 18 Jahren" geändert. Zwischen 1999 und 2001 haben
Südafrika, Portugal, Dänemark und Finnland das
Mindestalter für Wehrbewerber auf 18 erhöht. In
Afghanistan muss man seit 2003 mindestens 22 Jahre alt sein, um
sich freiwillig zum Militär melden zu können. Die USA
haben 2002 beschlossen, Jugendliche unter 18 Jahren nicht mehr in
den direkten Kampf zu schicken, während Großbritannien
2003 das Zusatzprotokoll unterschrieben und ratifiziert hat aber
dabei erklärt hat, es werde sich jedoch die Freiheit nehmen,
im "militärischen Notfall" auch Minderjährige an die
Front zu schicken. Die Mittel, die der Internationalen
Gemeinschaft zur Verfügung stehen, um dem Gebrauch von
Kindersoldaten entgegen zu wirken, reichen von der
Einschränkung der militärischen Hilfe bis zur
Strafverfolgung durch den Internationalen Gerichtshof. Abgesehen
von allgemeinen Erklärungen der Entrüstung ist der
Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) jedoch kein
einziges Beispiel bekannt, bei dem einem Staat oder einer Gruppe,
die von Kindersoldaten Gebrauch macht, militärische Hilfe
entzogen oder andere Sanktionen auferlegt wurden.
Im Gegenteil, das Geschäft mit leichten Waffen läuft
äußerst gut. Die Vereinten Nationen schätzen,
dass es auf der Welt ungefähr eine halbe Milliarde leichter
Waffen gibt, die zwar jährlich 150.000 Tote fordern, aber
gleichzeitig einen Umsatz zwischen 12 und 15 Milliarden US-Dollar
machen (Schwarzmarkt ausgenommen). Das Geschäft mit dem Tod
lohnt sich auch für unser Land, denn Italien ist nach USA,
Großbritannien und Russland der vierte Exporteur leichter
Waffen mit einem Umsatz von 273 Millionen US-Dollar (Daten
bezüglich Jahr 2000). Wenn das Gesetz 185 von 1990 der
Regierung noch vorschrieb, dem Parlament einen jährlichen
Bericht über den Waffenhandel vorzulegen, so haben die
darauffolgenden Dekrete den Waffenhandel um einiges erleichtert.
So passiert es z.B., dass ein Großteil "unserer" Gewehre,
Maschinengewehre und Explosive unter der Benennung "Waffen
für den Zivilgebrauch" exportiert wird. Durch
Dreiecksverbindungen und anderen Ausflüchten sind
italienische Waffen auch in Kriegsgebiete gelangt, in denen die
Opposition mit Gewalt unterdrückt wird oder die sogar unter
einem UNO-Embargo stehen. So ist der Export von italienischen
Waffen z.B. nach Algerien, Serbien (darunter die Gewehre, die von
den Scharfschützen bevorzugt wurden), Türkei, Burundi,
Uganda, usw. dokumentiert. In den Jahren des ersten Zivilkriegs
in der Sierra Leone (1991-1997) war Italien der wichtigste
Verkäufer von leichten Waffen an dieses Land: es ist also
mehr als wahrscheinlich, dass die 1.600.000 Gewehrmunitionen, die
allein 1997 an die Sierra Leone verkauft wurden, auch von
Kindersoldaten verwendet wurden oder dass damit Kinder verletzt
und getötet wurden.
Trotzdem haben die Änderungen, die am Gesetz 185
vorgenommen und am 3. Juni 2003 (gleich nach dem Anfang des
Irak-Kriegs) vom Parlament angenommen wurden, den Begriff des
"end use" abgeschaffen. Es ist also nicht mehr möglich, zu
wissen, wohin genau die Waffen verkauft werden, was
natürlich Dreiecksgeschäfte erleichtert. Außerdem
wurde die italienische Regierung von der Pflicht des
jährlichen Berichts befreit und es wurde der Verkauf an
Länder, die "nur leichte" Menschenrechtsverletzungen
begehen, erlaubt. Die internationale Kampagne gegen den Gebrauch
von Kindersoldaten hat die Wichtigkeit von
Rehabilitationsprogrammen für Kindersoldaten aufgezeigt. Ein
Schwachpunkt dieser Programme ist der allgemein niedrige Einbezug
von Mädchen. Der hauptsächliche Grund dafür ist,
dass Mädchen meist nicht direkt kämpfen und so auch
nicht als Kindersoldaten sichtbar sind. Oft verweigern die
Mädchen selbst die Teilnahme an Rehabilitationsprojekten:
aus Angst vor den sozialen Folgen ziehen sie es vor, ihre
Vergangenheit zu verschweigen, vor allem wenn diese mit sexualem
Missbrauch in Verbindung steht.
Viel häufiger jedoch passiert es, dass
Rehabilitationsprogramme lange nach der Entmilitarisierung der
Kindersoldaten starte oder dass ganz einfach kein Geld für
solche Programme vorhanden ist. Das war z.B. in der
Demokratischen Republik Kongo der Fall, wo 2002 die Regierung
zwar die Demobilisierung der Kindersoldaten aus der Staatsarmee
beschloss, aber weder dafür noch für die
Rehabilitationsprogramme genügend Mittel und internationale
Zuschüsse hatte. Dabei dürfte es für die
Internationale Gemeinschaft nicht schwer sein, diese finanzielle
Mittel zu finden, vor allem wenn man bedenkt, dass die weltweiten
Rüstungsausgaben jährlich 700 Milliarden US-Dollar
betragen, und dass weniger als 2% dieser Summe ausreichen
würde, um die ganze Bevölkerung Asiens, Afrikas und
Lateinamerikas mit Trinkwasser und hygienischen Einrichtungen
auszustatten.
Herausgegeben von Sabrina Bussani.
Quelle: