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/ Kulturen der Welt: Letteratura del mondo / Literatur der Welt. Diritti umani e dei popoli / Menschen- und Völkerrechte. Politica dello sviluppo e di pace / Entwicklungs- und Friedenspolitik. Questioni Nord-Sud / Nord-Süd Fragen. |
Von Salvatore Pipia
Bozen, April 2006

Wir sind den ganzen Tag unterwegs und arbeiten. Angelo und
ich, mein Begleiter beim Fotografieren, und zwei junge
Guatemalteker, die uns alles, aber auch wirklich alles zeigen
möchten. Mit einem ausgebeulten Jeep fahren wir in der
Region Xela (Quetzaltenango) das Hochland hinauf und wieder
hinunter, in schwer erreichbare Orte, abseits der normal
befahrbaren Strassen, und lernen Menschen, Pflanzen und Tiere
kennen, die zum Projekt unserer NGO gehören.
Angelo und ich hörten unseren gesprächigen Begleitern
kaum zu, nicht aus Unhöflichkeit, sondern weil wir viel zu
sehr mit der Schönheit dieser Orte, mit den starken
Farbenkontraste der Kleidung der Menschen und mit dem Staunen
über die Linienbusse auf diesen kaum befahrbaren Strassen
beschäftigt waren. Unsere unübersehbare
Fotoausrüstung half uns, unser Staunen im Zaum zu halten und
verschaffte uns Respekt vor den Leuten, die uns alles zeigen und
erklären wollten und zum Schluss unsere Meinung und neue
Fragen für neue Antworten hören wollte.

Wir kamen aus Italien, aus dem Land, in dem der Papst wohnt
und das war für die Menschen hier wichtig. Zum Glück
hatte Angelo immer eine sozio-politische Reserve-Frage bereit und
auch wenn er genauso oberflächig wie ich allen Analysen
zuhörte, schaffte er es doch immer wieder, das richtige
Thema anzusprechen, um das Gespräch weiter fliesen zu
lassen.
Wir waren müde. Ich hatte eigentlich nur Lust, nach Hause zu
kommen, mich kalt zu duschen, ein Bier zu trinken und meine Ohren
auszuruhen. Mich wenigstens nicht auf Spanisch bemöhen zu
müssen. Unsere zwei unermüdlichen Begleiter aber
rütteln uns auf: "¡Allá abajo!...", rufen sie
und zeigen auf eine kaum erkennbare Strasse, die sich steil einen
feuchten und sonnigen Hügel hinabschlängelt, um in eine
von Palmen und Baracken umgebenen Kreuzung zu enden. "...Ahora,
vamos a encontrar una familia de etnia Quiché que cultiva
papas. Estan eperando." Ich schiesse ein Foto ins Leere, um einen
unangebrachten Kommentar zu verhindern, währen Angelo
einfach lächelt und "¡Bueno!" antwortet.
Die Familie hat uns tatsächlich erwartet. Die Kinder der
Nachbarn laufen uns von der Kreuzung aus zu und wollen das
klassische Gruppenfoto. Sie werden jedoch von einem älteren
Mann mit Sombrero weggeschickt, während wir durch eine
kleine Tür in einen staubigen Innenhof geführt werden.
Im Innenhof erwarten uns eine lächelnde Frau und einige
kleine Kinder. Aus einer Ecke huscht plötzlich ein kleines
Mädchen in traditioneller Festkleidung mit schwarzen Haaren
und schwarzen Augen herbei, stellt sich vor das Objektiv, ruft
"¡Adios!" und läuft weg.

Ich habe nicht die Zeit, um mein Objektiv einzustellen, Angelo
versucht, ihr nachzulaufen, um einige Fotos zi schiessen, aber
wir werden bereits in ein dunkles Zimmer gezogen, in dem
ungefähr zehn Erwachsene, Frauen und Männer, auf uns
warten. Die Atmosphäre ist schön und gelassen, aber es
ist viel zu dunkel, um diese Augenblicke und Farben auf einem
Foto festzuhalten. Die Leute haben übrigens bereits
angefangen, von unverkauften Kartoffeln und freier
Marktwirtschaft zu rden und haben Angelo schon in ihre
Gespräche mit einbezogen. Das kleine Täufelchen von
vorhin huscht lachend wieder zur Tür hinein, winkt und ruft
"¡Adios!" und ist auch schon wieder weg.
Alle lachen und fangen wieder an, zu reden. Aber da kommt das
Mädchen wieder, und wieder ruft es "¡Adios. Adios! Und
wieder ist es schnell weg. Ich kann der Kleinen nicht
widerstehen, und mit meiner Kamera gewappnet, lasse ich den armen
Angelo allein und mache mich auf eine harmlose
Verfolgungsjagd.
Da ist sie auch schon, sie lacht, lässt sich fotografieren
und "Adios!" ist sie wieder verschwunden. Iin kürzester Zeit
habe ich einen ganzen Film Fotos geschossen, da wird schon ein
ordentliches Foto dabei sein... Trotzdem bin ich noch nicht
zufrieden. Aber da kommt die Kleine wieder, lacht immer noch,
ruft "¡Adios!" und kann vor lauter lachen nicht mehr damit
aufhören. Jetzt lachen wirklich alle!
Nun versucht auch Angelo, sie zu fotografieren, aber wieder sind
schon beim Weggehen. Zwischen der Kindermenge auf der Strasse
taucht das kleine Täufelchen wieder auf und ruft dem
abfahrenden Wagen noch "¡Adios! Adios! Adios! Adios!...."
zu. Der Wagen schlängelt sich den Hang wieder hoch, zwischen
den langen Schatten eines wunderbaren Sonnenuntergangs.
¡Adios!
Salvatore Pipia. © Salvatore Pipia. Weder Bilder noch Texte oder Textteile dürfen ohne Genehmigung des Autors verwendet werden. Siehe auch: www.salvatorepipia.it.