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Guatemala 2001

Von Salvatore Pipia

Bozen, April 2006

Guatemala 2001, Frauengruppe. Foto: Salvatore Pipia Guatemala 2001, Mutter mit Kind. Foto: Salvatore Pipia

Wir sind den ganzen Tag unterwegs und arbeiten. Angelo und ich, mein Begleiter beim Fotografieren, und zwei junge Guatemalteker, die uns alles, aber auch wirklich alles zeigen möchten. Mit einem ausgebeulten Jeep fahren wir in der Region Xela (Quetzaltenango) das Hochland hinauf und wieder hinunter, in schwer erreichbare Orte, abseits der normal befahrbaren Strassen, und lernen Menschen, Pflanzen und Tiere kennen, die zum Projekt unserer NGO gehören.

Angelo und ich hörten unseren gesprächigen Begleitern kaum zu, nicht aus Unhöflichkeit, sondern weil wir viel zu sehr mit der Schönheit dieser Orte, mit den starken Farbenkontraste der Kleidung der Menschen und mit dem Staunen über die Linienbusse auf diesen kaum befahrbaren Strassen beschäftigt waren. Unsere unübersehbare Fotoausrüstung half uns, unser Staunen im Zaum zu halten und verschaffte uns Respekt vor den Leuten, die uns alles zeigen und erklären wollten und zum Schluss unsere Meinung und neue Fragen für neue Antworten hören wollte.

Guatemala 2001, Zeremonie. Foto: Salvatore Pipia Guatemala 2001, Familie mit Kindern. Foto: Salvatore Pipia

Wir kamen aus Italien, aus dem Land, in dem der Papst wohnt und das war für die Menschen hier wichtig. Zum Glück hatte Angelo immer eine sozio-politische Reserve-Frage bereit und auch wenn er genauso oberflächig wie ich allen Analysen zuhörte, schaffte er es doch immer wieder, das richtige Thema anzusprechen, um das Gespräch weiter fliesen zu lassen.

Wir waren müde. Ich hatte eigentlich nur Lust, nach Hause zu kommen, mich kalt zu duschen, ein Bier zu trinken und meine Ohren auszuruhen. Mich wenigstens nicht auf Spanisch bemöhen zu müssen. Unsere zwei unermüdlichen Begleiter aber rütteln uns auf: "¡Allá abajo!...", rufen sie und zeigen auf eine kaum erkennbare Strasse, die sich steil einen feuchten und sonnigen Hügel hinabschlängelt, um in eine von Palmen und Baracken umgebenen Kreuzung zu enden. "...Ahora, vamos a encontrar una familia de etnia Quiché que cultiva papas. Estan eperando." Ich schiesse ein Foto ins Leere, um einen unangebrachten Kommentar zu verhindern, währen Angelo einfach lächelt und "¡Bueno!" antwortet.

Die Familie hat uns tatsächlich erwartet. Die Kinder der Nachbarn laufen uns von der Kreuzung aus zu und wollen das klassische Gruppenfoto. Sie werden jedoch von einem älteren Mann mit Sombrero weggeschickt, während wir durch eine kleine Tür in einen staubigen Innenhof geführt werden. Im Innenhof erwarten uns eine lächelnde Frau und einige kleine Kinder. Aus einer Ecke huscht plötzlich ein kleines Mädchen in traditioneller Festkleidung mit schwarzen Haaren und schwarzen Augen herbei, stellt sich vor das Objektiv, ruft "¡Adios!" und läuft weg.

Quetzaltenango (Guatemala) 2001, Kind mit Flasche. Foto: Salvatore Pipia Quetzaltenango (Guatemala) 2001, Männergruppe. Foto: Salvatore Pipia Quetzaltenango (Guatemala) 2001, Mädchen. Foto: Salvatore Pipia

Ich habe nicht die Zeit, um mein Objektiv einzustellen, Angelo versucht, ihr nachzulaufen, um einige Fotos zi schiessen, aber wir werden bereits in ein dunkles Zimmer gezogen, in dem ungefähr zehn Erwachsene, Frauen und Männer, auf uns warten. Die Atmosphäre ist schön und gelassen, aber es ist viel zu dunkel, um diese Augenblicke und Farben auf einem Foto festzuhalten. Die Leute haben übrigens bereits angefangen, von unverkauften Kartoffeln und freier Marktwirtschaft zu rden und haben Angelo schon in ihre Gespräche mit einbezogen. Das kleine Täufelchen von vorhin huscht lachend wieder zur Tür hinein, winkt und ruft "¡Adios!" und ist auch schon wieder weg.

Alle lachen und fangen wieder an, zu reden. Aber da kommt das Mädchen wieder, und wieder ruft es "¡Adios. Adios! Und wieder ist es schnell weg. Ich kann der Kleinen nicht widerstehen, und mit meiner Kamera gewappnet, lasse ich den armen Angelo allein und mache mich auf eine harmlose Verfolgungsjagd.

Da ist sie auch schon, sie lacht, lässt sich fotografieren und "Adios!" ist sie wieder verschwunden. Iin kürzester Zeit habe ich einen ganzen Film Fotos geschossen, da wird schon ein ordentliches Foto dabei sein... Trotzdem bin ich noch nicht zufrieden. Aber da kommt die Kleine wieder, lacht immer noch, ruft "¡Adios!" und kann vor lauter lachen nicht mehr damit aufhören. Jetzt lachen wirklich alle!

Nun versucht auch Angelo, sie zu fotografieren, aber wieder sind schon beim Weggehen. Zwischen der Kindermenge auf der Strasse taucht das kleine Täufelchen wieder auf und ruft dem abfahrenden Wagen noch "¡Adios! Adios! Adios! Adios!...." zu. Der Wagen schlängelt sich den Hang wieder hoch, zwischen den langen Schatten eines wunderbaren Sonnenuntergangs.

¡Adios!

Salvatore Pipia. © Salvatore Pipia. Weder Bilder noch Texte oder Textteile dürfen ohne Genehmigung des Autors verwendet werden. Siehe auch: www.salvatorepipia.it.


Letzte Aktualisierung: 15.6.2006 | URL: www.bibmondo.it/att/opu/guatemala-de.html | XHTML 1.0 / CSS / WAI AAA | WEBdesign, Info: M. di Vieste

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