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Äthiopien: die verweigerten Rechte der Kinder

Von Renato Danieli

Bozen, 8. November 2005

Mädchen in Addis Abeba. Foto: Ivan DegasperiNicaragua ist leider nur eines von vielen Ländern der Welt, das sich mit dem Problem der Straßenkinder bzw. der ausgesetzten Kinder auseinander setzen muss. Mit dem Vorwand einer kleinen Spende an ein Projekt für Kindern, konnten einige von uns mit eigenen Augen die Situation in Äthiopien, ein Land im Horn Afrikas und eines der ärmsten Länder der Welt, mit ansehen. Auch hier, wie in zahlreichen anderen so genannten Entwicklungsländern, muss der arme Teil der Bevölkerung, vor allem Kinder, ältere Menschen und Kranke, Lebensbedingungen erleiden, die ihnen die Gesellschaft aufzwingt und die an der Grenze des Überlebens liegen.

Äthiopien ist eines der ärmsten Länder Afrikas und somit auch eines der ärmsten der Welt. Die Lebenserwartung der ca. 80 Mio. Menschen liegt bei 42 Jahren und die jährliche Kindersterblichkeitsrate erreicht 13%. Der Großteil der Bevölkerung lebt in der Hochebene, in einer ländlichen Umgebung wo mehrheitlich noch der Tauschhandel verbreitet ist, während das durchschnittliche Monatsgehalt für die wenigen Arbeiter in der Stadt bei ca. 200 birr (weniger als 20 Euro) liegt. Äthiopien bietet seinen Bürgern keinerlei soziale Strukturen, die dem schwachen Teil der Bevölkerung wenigstens teilweise unter die Arme greifen könnten. Die einzige Möglichkeit bleibt, die harten Lebensbedingungen auszuhalten, wobei jeder noch so aussichtslose Notfall alleine gelöst werden muss.

Wäsche waschen am Fluss. Foto: Ivan DegasperiIn der Hauptstadt Addis Abeba verfügt nur ein geringer Prozentanteil an Menschen über einen gewissen Wohlstand, der Rest hingegen kämpft täglich gegen harte und beinahe unerträgliche Lebensbedingungen und versucht ganz einfach, zu überleben. Nicht selten sieht man Kinder, die krank auf den Straßen umherirren und ganz ihrem Schicksal überlassen sind, das dann meistens mit dem Tod endet. In diesem Umfeld ist Arbeit einiger Missionare sehr von Bedeutung. Dank ihrer Kraft und etwas fremder Hilfe versuchen sie, die vielen verzweifelten Kinder, meist Waisen, die nirgendwo sonst Unterstützung finden, von der Straße, der Armut und Gewalt weg zu holen.

Wir hatten das Glück, Pater Bernardo und das Zentrum Romagna für Erziehung und Entwicklung kennen zu lernen, das ca. 5000 Minderjährige und deren Familienmitglieder betreut. Unabhängig von ihrer ethnischen religiösen Angehörigkeit garantiert das Zentrum Romagna Kindern den Schulbesuch, Ernährung, Gemeinschaftssinn und die Möglichkeit, ganz einfach spielen zu können. Normalerweise werden die Kinder auch durch Fernadoptionen unterstützt, die außer dem täglichen Überleben auch eine Zukunftsplanung ermöglichen. Die Kinder haben so die Möglichkeit, einerseits ihre Kindheit aus zu leben und andererseits sachlich und verantwortungsbewusst an eine Zukunft weg von der Straße zu denken. Wir haben feststellen können, dass alle finanziellen Mittel bestens verwendet werden.

Sicher ist die Arbeit von Pater Bernardo und der katholischen als auch der weltlichen Missionare von Bedeutung, jedoch kann sie nicht die Zukunft des Lands ändern, das schwerwiegende Probleme angehen muss, angefangen von endemischen Krankheiten (Malaria, Gelbsucht, Typhus, Lepra, usw.) bis zum weitaus verheerenderem AIDS. Man schätzt, dass innerhalb 2009 ca. die Hälfte der Bevölkerung AIDS-krank sein wird. Wenn nicht sofort eine breit angelegte Sensibilisierungskampagne gegen dieses von großen Teilen der Bevölkerung noch unbekannte Problem durchgeführt wird, dann kann dies unberechenbare Folgen mit sich bringen. Die äthiopische Regierung mit ihren immerwährenden Machtstreiten und dem Mangel an Ressourcen, kann das Problem natürlich nicht alleine lösen, aber durch die Gespräche mit den in Äthiopien arbeitenden Missionaren haben wir feststellen müssen, dass die internationalen Organisationen, mit einigen wenigen Ausnahmen, höflich ausgedrückt kaum konstruktive Arbeit leisten.

Wir haben ein von der Weltbank finanziertes Projekt gesehen, das auf einer Strecke von 250 km optische Fasern für Kommunikation auslegt, um Addis Abeba mit der südlicheren Stadt Shashamane zu verbinden. Vielleicht hätte jemand den Experten erklären sollen, dass in Äthiopien nur die wenigsten ein Telefon besitzen und es deshalb wahrscheinlich besser gewesen wäre, das viele Geld anders zu verwenden. Wie uns jedoch die Manager dieses Projekts erklärt haben, "das ist die Zukunft". Wir erlauben uns, hinzu zu fügen, dass dies vielleicht sogar die Zukunft ist, die Gegenwart aber ist Hunger, Durst, Krankheit und Tod. Es gibt weitere "aufbauende" Beispiele dieser von "hohen Sphären" ausgehenden Entwicklungshilfe, die teilweise von der gleichen Intelligenz zeugen, teilweise sogar schlimmer sind. Es erscheint es uns offenkundig, dass diese großen internationalen Organisationen nicht mit solidarischem Sinn zur Lösung der vielen Probleme, sondern vielmehr um die Sicherung ihrer Macht, ihres finanziellen Gewinns und einer "bequemen" Erhaltung des Status quo arbeiten.

Unsere Erfahrungen in Äthiopien gleichen trotz der Eigenheiten des Lands den Erfahrungen, die wir in Nicaragua oder in anderen Ländern gemacht haben, die auf die gleiche Art und Weise Opfer einer schändlichen Ausbeutung sind. Schlechte Regierungen, die Ungleichheit und verschiedenartigen Zugang zum Allernötigsten legalisieren, verschlimmern weiterhin die Situation. Solange dies alles passiert, wird es immer jemanden geben, der leiden muss, wobei die Kinder und Jugendlichen die ersten sind, die dafür bezahlen müssen.

Renato Danieli ist Mitglied des Solidaritätskomitees Quincho Barrilete in Bolzano. Zusammen mit Ivan Degasperi, Paola Contarini und Roberto Ottaviani, alle Mitglieder des Komitees, hat er im Februar 2005 Äthiopien und dort das Kinderprojekt von Pater Bernardo besucht.

Wer mehr über dieses Projekt wissen möchte oder gar eine Fernadoption anfangen möchte, findet weitere Informationen in der Internet-Site www.centroaiutiafrica.it oder kann sich an Centro aiuti per l'Africa ONLUS. in der Südtirolerstr. 28 in Bozen (Tel.: 0471.970470) wenden.


Letzte Aktualisierung: 22.11.2005 | URL: www.bibmondo.it/att/opu/etiopia-de.html | XHTML 1.0 / CSS / WAI AAA | WEBdesign, Info: M. di Vieste

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