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Die Märchen
Hintergrund-informationen
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Ein Blick in die Vergangenheit
Obwohl es kaum Zeugnisse gibt, weiß man, dass die
Guaraní bereits ab Mitte des 15. Jahrhunderts in der
Region der bolivianischen Cordillera lebten. Zu der Zeit wehrten
sie die Eroberungsversuche des Inka Yupanqui ab.
Nach den Inkas kamen die Spanier: Vier Jahrhunderte mussten die
Spanier gegen die Guaraní kämpfen, bevor sie es
schafften, dieses Volk zu unterwerfen. Der Grund für diesen
langen Eroberungskampf liegt sicherlich an den hervorragenden
Fähigkeiten als Krieger der Guaraní: Guaraní
stammt vom Wort "guariní", das "Krieger" bedeutet. Ihre
Qualitäten als Krieger haben die Guaraní in Hunderten
von gewonnen Schlachten gegen Spanier und Portugiesen bewiesen,
in denen die Guaraní ihre ausgezeichneten Kenntnisse der
Umwelt und die strategischen Vorteile des Guerrilla-Krieges
ausnutzten.
Ein weiterer Grund für die Überlegenheit der
Guaraní liegt in der politischen und territorialen
Organisation des Volks. Das Fehlen einer Hauptstadt und einer
zentralisierten politischen Struktur sowie die große
Streuung der Siedlungen in der Region machten die Eroberung sehr
schwierig.
Zwischen 1540 und 1560 organisierten einige spanische
Conquistadores (Eroberer) wie Nuflo de Chavez und Domingo M. de
Irala, die ersten Expeditionen in die heutige Region der
Cordillera, wo damals ungefähr 150.000 Guaraní
lebten. Die Spanier suchten nach dem legendären "El Dorado",
einem unvorstellbaren Goldschatz, der aber, trotz eineinhalb
Jahrhunderten Suche, niemals gefunden wurde. Zudem hatten diese
Expeditionen oftmals verheerende militärische Folgen
für die Spanier.
Das Gebiet der Guaraní blieb also für lange Zeit
frei, rund herum aber vermehrten sich die Zeichen für die
Anwesenheit der spanischen Eroberer: Städte, Festungen, aber
auch Vieh, das die Ackergründe der Guaraní
zertrampelte und die Gemeinschaften zwang, das eigene Land zu
verlassen und andauernd herum zu ziehen.
Mit den Jahren wurden die Präsenz der Spanier und der Druck
auf die Guaraní immer stärker. Einige Guaraní
fingen an, als Arbeiter in den neuen Plantagen oder in den
Verarbeitungsanlagen des Zuckerrohrs zu arbeiten. Allein die
Guaraní, die im Zentrum der Cordillera-Region lebten,
konnten noch ihre politische und kulturelle Unabhängigkeit
erhalten.
Während des ganzen 18. Jahrhunderts wechselten sich die
Angriffe einiger Guaraní-Gruppen auf Haciendas, Missionen
und Städte mit Racheakten der Spanier ab. Am Ende dieses
Jahrhunderts hatten sich die Spanier bereits in einigen Gebieten
der Cordillera fest angesiedelt.
Während dieser Zeit spielten die Missionen eine wichtige
Rolle. Die Kirche gründete anfangs die Missionen, weil sie
der Auffassung war, die Eroberer würden ihrer Aufgabe, die
Indigenen zu bekehren, nicht nachkommen. Später aber
übernahmen die Missionen auch die Aufgabe, die indigene
Bevölkerung vor den Übergriffen und der Gewalt der
Landbesitzer zu schützen.
Die Franziskaner gründeten 1580 ihre ersten Missionen
(reducciones) in Paraguay, während die erste Mission der
Jesuiten 1586 in Bolivien gegründet wurde. Nach nur 20
Jahren gab es bereits 13 reducciones, in denen über 100.000
Einwohner lebten.
Zwischen 1770 und 1798 wurden in der Region des bolivianischen
Chaco 20 Missionen gegründet, in denen sich insgesamt 18.000
Menschen sammelten. Das entsprach in etwa 15 % der bolivianischen
Guaraní. Die Guaraní konnten sich nie
vollständig den Lebens- und Arbeitsgewohnheiten in den
Missionen anpassen. An ein selbständiges und freies Leben
gewohnt, waren ihnen die Arbeits- und Lebensweisen, zu denen sie
in den Missionen gezwungen waren, zu streng und
einschränkend. Das Leben in den Missionen wurden
außerdem durch die großen Landbesitzer erschwert, die
alles versuchten, um das Landeigentum der Missionen für sich
zu gewinnen und deren Bewohner als billige Arbeitssklaven
ausnützen zu können.
Um 1799, während des Krieges der Gemeinschaft von Caragua,
wurden beinahe alle Missionen zerstört. Mit der Entstehung
der Bolivianischen Republik (1825) verschlechterte sich die
Situation der indigenen Völker: Sie konnten weiterhin nicht
am politischen Leben des Landes teilnehmen, wurden diskriminiert
und des eigenen Lands beraubt, das den ehemaligen
Unabhängigkeitskämpfern als Gegenleistung für die
bolivianische Unabhängigkeit geschenkt oder einfach an
Großgrundbesitzer verkauft wurde.
Angesichts dieser Situation versuchten die Guaraní Teile
ihres Lands zurück zu erobern: mehr als 20 Jahre lang, bis
1874, waren die Guaraní und die bolivianische Armee im
Krieg. Das bolivianische Heer war den Guaraní
waffenmässig überlegen, aber der wahre Grund für
das Scheitern der indigenen Aufstände lag wahrscheinlich in
den die großen internen Uneinigkeiten.
Die Folgen der Kriege und der dadurch ausgebrochenen Epidemien
waren verheerend: einerseits bewirkten sie eine große
Migration in das heutige Argentinien und in andere karge
Regionen, andererseits fanden sich viele damit ab, als Peones
(billige Arbeitskräfte) in den Plantagen zu arbeiten. Wenn
Anfang des 18. Jahrhunderts noch 200.000 Guaraní in der
Region der Cordillera lebten, so waren es nach dem Krieg von 1874
nur noch 46.000 Indigene.
Am 28. Jänner 1892 war es mit der stolzen
Unabhängigkeit des Guaraní-Volks entgültig
vorbei: Nach einer blutigen Schlacht wurden in Kuruyuki 5.000
Guaraní-Krieger (kereimba) von der bolivianischen Armee
besiegt und getötet.
Nach dieser Niederlage verloren die Guaraní ihre
Unabhängigkeit und das Volk war von nun an auf vier
verschiedene Länder (Bolivien, Paraguay, Argentinien und
Brasilien) aufgesplittert. In keinem dieser Länder wurden
die Guaraní als Staatbürger betrachtet, sondern als
Feinde, die den Fortschritt beeinträchtigten und deshalb zu
bekämpfen waren.
Noch heute sind die Guaraní-Gruppen deutlich erkennbar:
Diejenigen, die in unfruchtbare Regionen flüchteten,
können durch die Landwirtschaft kaum überleben und
viele wandern deshalb in die Städte ab. Wer sich zur Arbeit
in den Plantagen entschied, lebt noch immer in Bedingungen, die
der Sklaverei gleichkommen. Die Nachkommen jener, die nach
Argentinien ausgewandert waren, leben nicht anders als ihre
bolivianischen Brüder. Auch die Guaraní, die in den
Missionen Zuflucht gesucht hatten, verloren ihr gesamtes Land als
das Landeigentum der Kirche in der ersten Jahrzehnten des 20.
Jahrhunderts verstaatlicht wurde. In den letzten Jahrzehnten hat
die Migration der Guaraní in die Städte zugenommen,
wo sie meist in Armenvierteln leben und einem schnellen
Kulturverlust ausgesetzt sind.
Nach dieser langen Phase des Untergangs gibt es seit den
70er-Jahren wiederholte und immer häufigere Signale eines
Wiederauflebens der Guaraní-Kultur.
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