Der Mond und der Jaguar

Der Mond und der Jaguar: Fabeln, Mythen und Legenden des Guaraní Volks

Wer sind die Guaraní?

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Wer sind die Guaraní?


Den Geschichtsforschern nach, lebten um 3.000 v. Chr. in Zentral- und Südamerika drei große Volksgruppen: die Andinen im Westen im Norden und die Arauakos und, die größte Volksgruppe, die Tupí-Guaraní, die ein ausgedehntes Gebiet besetzten. Im Laufe der Zeit sollen die Tupí-Guaraní langsam von Zentralamerika nach Südamerika gewandert sein.

Ungefähr zu Anfang der Christenzeit haben sich die Tupí-Guaraní im Laufe einer expansionistischen Wanderung in zwei Gruppen gespalten: die Tupí wanderten nach Osten (Atlantikküste) und nach Norden, dem Lauf des Amazonas und seiner Nebenflüsse folgend, aus und entwickelten die Sprache Tupí.

Die Guaraní hingegen zogen nach Südwesten, immer dem Becken des Río de la Plata (río Paraná, río Paraguay, río Uruguay) nach.

Die Tupí-Guaraní haben als Semi-Nomaden keine imponierenden Gebäude hinterlassen, wie wir sie von anderen ammerindischen Kulturen kennen (z.B. Maya und Inka). Ihre Sprache, auch wenn sie nicht in geschriebener Form entwickelt wurde, ist jedoch eine viel wertvollere Erbschaft.

Aus verschiedenen Gründen, unter anderem auch durch die grausame Verfolgung seitens der portugiesischen Eroberer, verlor die Sprache der Tupí schnell an Wichtigkeit, bis sie fast vollständig verschwand. Die Sprache der Guaraní hingegen verbreitete sich beachtlich, vor allem im Süden Boliviens, im Nordosten Argentiniens, im Südosten Brasiliens und in Paraguay.

In den Regionen des Chaco und der Cordillera trafen die Guaraní auf andere Völker, unter anderem di Chané. Nach anfänglichen Auseinandersetzungen, integrierten sich Guaraní und Chané bis sie ein neues Volk bildeten: die Chiriguanos.

Dank ihren Wanderungen durch weite Teile des Kontinents hatten die Guaraní/Chiriguanos tiefgreifende Kenntnisse der Flora des Landes, die nach ihren Heileigenschaften erforscht wurde. Später gaben die Guaraní ihre Kenntnisse europäischen Botanikern weiter, wofür auch die etymologische Herkunft vieler Pflanzennamen zeugt: nach Griechisch und Latein stammt der wissenschaftliche Name vieler Pflanzen aus der Sprache der Guaraní.

Die Sprache der Guaraní wurde mündlich weitergegeben (die ersten schriftlichen Zeugnisse in Guaraní stammen aus dem Jahr 1598 und wurden von spanischen Mestizen verfasst), so dass es heute schwierig ist, etwas über die Kultur dieses Volkes in vorkolumbianischer Zeit zu erfahren. Einige Eigenschaften haben sich allerdings unverändert durch die Jahrhunderte hinweg erhalten und sind noch heute in den Traditionen der Guaraní-Gemeinschaften erkennbar.

So sind die Guaraní immer noch ein Jäger-, Fischer- und Sammlervolk, das nebenbei auch etwas Landwirtschaft (hauptsächlich Maisanbau) betreibt. Ihre gesamte Wirtschaft stützt sich auf das Prinzip der Selbstverpflegung und der gegenseitigen Beziehungen (mborererekua). Die hergestellten und geernteten Produkte werden nicht gelagert, sondern bei großen Festen mit dem ganzen Dorf geteilt.

Der wichtigste Aspekt der Religion der Guaraní ist der Glaube an eine Welt ohne Übel (yvy mara'y) und an eine Art ewigen Lebens in der Erde.

Wichtigster Bestandteil der Gesellschaftsordnung der Guaraní ist die Großfamilie: ein Guaraní-Dorf (tentami) besteht normalerweise aus einer bestimmten Anzahl von Familien, die miteinander verwandt sind. Um die Gefahr der Endogamie zu vermeiden, schließen die Mitglieder eines Tentami Verwandtschaftsbeziehungen mit den Mitgliedern eines benachbarten Tentami und formen so ein Tentaguasu.

Mittelpunkt eines Tentami ist der Großvater (temu/tamoi), der auch Symbol für den Ursprung einer Familie und für die Verbindung mit den Ahnen ist.

Obwohl jeder Tentami eigenständig und unabhängig ist, schließen sich die Tentami und Tentaguasu einer Region bei Gefahr oder anderen Ereignissen, die gemeinsamer Entscheidungen bedürfen, in große Gruppen zusammen, die in den vergangenen Jahrhunderten z.B. Kriege führten oder die eigenen Dörfer vor Angriffen anderer Völker verteidigten.

Die Entscheidungen werden in gemeinsamen Versammlungen (nomboati) getroffen und wenn es darum geht, weittragendere Entscheidungen zu fällen, versammeln sich die Mitglieder verschiedener Tentamis, und die Versammlung wird zur nomboati guasu, die große Versammlung.

Der Anführer eines Tentami nennt sich mburuvicha, aber seine Macht ist in einer selbständigen und starken Gesellschaft wie die der Guaraní sehr begrenzt. Seine Rolle als Anführer gilt eigentlich nur besonderen und dringenden Fällen, wie z.B. im Kriegsfall.


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Letzte Aktual.: 27.10.2004 | Copyright | URL: www.bibmondo.it/att/luna/doc/s2-de.html | XHTML 1.0 / CSS / WAI AAA | WEBdesign, e-mail: M. di Vieste

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