Der Mond und der Jaguar

Der Mond und der Jaguar: Fabeln, Mythen und Legenden des Guaraní Volks

Der Toborochi oder der Zufluchtsbaum

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Die Märchen

Hintergrund-informationen

Der Toborochi oder der Zufluchtsbaum
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Der Toborochi oder der Zufluchtsbaum


Vor langer Zeit, als die Götter noch wie Menschen auf der Erde lebten, hatten die ersten Guaraní sehr an der Boshaftigkeit der Añas, der Geister der Dunkelheit, zu leiden. Diese töteten die Guaraní-Männer und entführten deren Frauen.

In einem kleinen Dorf lebte damals ein schönes Mädchen namens Araverá, was so viel wie "Funken des Himmels" bedeutet. Araverá war die Tochter des großen Häuptlings Ururutï, des weißen Kondors; kurz zuvor hatte sie Chinu Tumpa, den Gott Kolibri, geheiratet. Araverá erwartete ein Kind, von dem sie hoffte, dass er später ein großer Schamane würde, der mächtig genug wäre, um endlich die bösen Geister zu besiegen.

Der Toborochi oder der ZufluchtsbaumKaum erfuhren die Añas von Araverás Schwangerschaft, beschlossen sie, die Mutter des zukünftigen Schamanen zu töten. Sie schwangen sich auf ihre geflügelten und feuerspuckenden Pferde und machten sich auf den Weg. Araverá aber erkannte rechtzeitig die Gefahr; deshalb setzte sie sich in den fliegenden Stuhl, den sie von ihrem Mann Kolibri zur Hochzeit bekommen hatte, und flog weit weg, bis zum Ende der Erde.

Die Añas suchten Araverá überall: in den Tiefen der Gewässer, unter der Erde und sogar hinter den Sternen, aber sie konnten sie nicht finden. Als Araverás fliegender Stuhl zu müde war, um weiter zu fliegen, stieg Araverá ab und versteckte sich in der Höhle eines Toborochi-Baums. Die Añas suchten sie ganz in der Nähe, aber nicht im Inneren des Baums - dort war Araverá sicher. Dort wurde dann auch ihr Kind geboren. Die Jahre vergingen, Añaverás Kind wuchs Tag für Tag heran; als es groß war, wurde es ein mächtiger Schamane, der die Boshaftigkeit der Añas rächte. Seine Mutter aber blieb für immer im Inneren des Toborochi-Baums versteckt. Nur ab und zu kommt sie aus ihrem Versteck hervor und verwandelt sich in eine wunderschöne Blume, damit die vorbeifliegenden Kolibris sich von ihrem Nektar nähren können.


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Letzte Aktual.: 27.10.2004 | Copyright | URL: www.bibmondo.it/att/luna/doc/fav7-de.html | XHTML 1.0 / CSS/ WAI AAA | WEBdesign, e-mail: M. di Vieste

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