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Vorwort
Eine unterirdische Entdeckungsreise mit Kasimir, dem
neugierigen und naschhaften Maulwurf, auf den Spuren vergessener
Gerichte und fremder Bräuche, durch Länder und
Kontinente. Dieses Buch erzählt von der Herkunft
verschiedener Früchte und Getreidearten und von deren
Zubereitung. Es soll auch Einwandererkinder ansprechen, den
Austausch von Erfahrungen und Wissen zwischen Kindern
unterschiedlicher Herkunft anregen und die unsichtbaren Grenzen
abbauen, die so oft MigrantInnen von "Alteingesessenen"
trennen.
Der Regenbogen auf Erden
Vielfalt und Artenreichtum sind zwei wichtige Grundsätze,
auf denen die Gesundheit unseres Planeten beruht. Werte, welche
die Menschen, die unseren Lebensraum bewahren - indigene
Völker und Landwirte - seit jeher gegen die Bestrebungen
verteidigen, die Natur auf einige wenige, einfache
Erscheinungsformen zu reduzieren, um sie besser nutzen zu
können. Kultur blüht dort, wo es einen reichen Schatz
an unterschiedlichem Saatgut gibt. Die Vielfalt der Nutzpflanzen
macht den Unterschied aus zwischen einem Volk, das noch Herr
über seine Ernährungsweise ist und daraus Sicherheit
schöpft, und den anderen, die an Kommerz, Import und
Supermärkte versklavt sind. Bei Tisch und auf den
Äckern lebt Schönheit von der Vielfalt, wie im
Regenbogen.
Je größer die Vielfalt, desto größer die
Freude derer, die schauen, kosten, riechen, kauen, schlucken.
Seit den Anfängen der Landbewirtschaftung, also seit es dem
Menschen gelungen ist, Pflanzen für seine Ernährung
heranzuziehen, haben sich diese fortentwickelt zu einem wunderbar
bunten Schatz an Formen und Arten. Auf jedem Boden hat sich
entfaltet, was am betreffenden Standort und unter den gegebenen
klimatischen Verhältnissen am besten gedeiht. Und weil wir
nun einmal auch sind, was wir essen, entwickelten sich die
Bewohner unserer Erde ihrerseits im Einklang mit den
mannigfaltigen Früchten ihrer Äcker, die sie unter
großen Mühen bestellten. Auf diesem Wege entstand das
Mosaik aus Völkern und Kulturen, das unsere Welt heute ist.
Das bedeutet, dass dort, wo die Vielfalt der Nahrung nicht
gewahrt wird, Kulturen und Völker in Gefahr geraten und der
bunte Regenbogen unterschiedlicher Ethnien untergehen kann.
Umsichtige Wissenschaftler haben Saatgutbanken angelegt, um darin
Samen von Pflanzen zu sammeln, die nicht mehr angebaut werden
oder die vom Aussterben bedroht sind. Armut zwingt die Landwirte,
anzubauen, was sich am besten verkauft, oder das Saatgut aus den
Labors zu kaufen, das weniger krankheitsanfällige Pflanzen
hervorbringt, die stärker und schneller wachsen. Dadurch
werden andere, alte Arten von besonderem Nähr - und
Gesundheitswert vernachlässigt. Die Furchen unserer
Äcker und Gärten dürfen nicht an die Gänge
zwischen den Supermarktregalen erinnern, unsere Obst - und
Gemüsemärkte haben es nicht verdient, zu
geruchsneutralen, nichts sagenden Orten zu verkommen, wo
überall dasselbe angeboten wird, nur in etwas anderer
Verpackung.
Wir müssen unseren Regenbogen schützen. Das Saatgut
muss auch morgen noch in der Erde keimen und neues Leben
hervorbringen, es darf nicht als Ausstellungsobjekt in
Glasvitrinen enden wie ein Relikt aus einer abgehakten
Vergangenheit. Wir alle sollten uns verantwortlich fühlen
für das, was auf den Äckern und Feldern der Welt
geschieht. Wir sollten begreifen, dass auch wir durch unseren
Einkauf und unsere Essgewohnheiten unsere Umwelt prägen. Wir
sollten von denen lernen, die nicht auf das äußere
Erscheinungsbild allein achten, oder von denen, die es gar nicht
sehen können.
An unsere kleinen Leser
In jedem Land gibt es Tiere, aber auch Pflanzen, die besonders
wichtig sind. Getreide und Früchte sind nicht nur nahrhaft,
sie sind auch sonst sehr wert- voll für die Völker, die
sie anbauen und essen. Viele Pflanzen werden aber heute nicht
mehr so geschätzt. Daher werden sie immer weniger angebaut
und verschwinden allmählich. Immer öfter gleicht ein
Gericht dem anderen. Wir verwenden immer weniger unterschiedliche
Obst - und Gemüsesorten, und das gefährdet die Umwelt
und macht unsere Kultur ärmer. Mit jeder Tier - oder
Pflanzenart, die verschwindet, gehen wertvolles Wissen und alte
Traditionen verloren.
Mit diesem Buch möchten wir unseren Lesern helfen, etwas von
dem Wissen und von den Geschmäckern wiederzuentdecken und
schätzen zu lernen, das sonst vielleicht in den Gärten
unserer Welt unbeachtet bleibt und verloren geht. Vor allem in
den Ländern, in denen noch Ureinwohner leben oder die
bäuerliche Bevölkerung noch so arbeitet wie
früher. Wir hoffen, dass solche Pflanzen und ihre
Besonderheiten wieder geschätzt werden und dass sie uns von
den Völkern erzählen können, die sie anbauen und
verwenden, und von den Naturlandschaften, in denen sie
wachsen.
Viel Spaß beim Lesen!
Kasimir auf Weltreise ... unter der
Erde
Jeden Tag lernt man was dazu. Ich wusste gar nicht, dass so viele
seltsame Dinge unter der Erde liegen können, so
unterschiedlich geformte, und aus so vielen verschiedenen
Materialien. Früher stieß ich beim Graben nur selten
auf ein Stück Blech oder eine Plastiktüte. Inzwischen
ist das anders: In jedem Gang, den ich grabe, gerate ich mit
meinen Krallen an etwas, das die Leute da oben wegwerfen. Als ob
die Erde unbewohnt wäre! Als ob es den Müll nicht mehr
gäbe, sobald er nicht mehr zu sehen ist, weil er in einer
Müllhalde vergraben liegt. Vielleicht steckt aber gerade
darin das Problem: Die Menschen nehmen nur wichtig, was sie
sehen, sie verlassen sich zu sehr auf ihre Augen. Ich weiß,
wovon ich rede! Meine Augen sehen nur sehr schlecht, ich
erforsche die Welt dafür mit meiner Nase und meinen Pfoten,
und das reicht. Auf die Augen ist nicht immer Verlass,
heißt es. Wer die Welt hingegen erschnuppert, der
weiß, woran er ist.
Oh, Entschuldigung, ich habe mich noch gar nicht vorgestellt! Ich
heiße Kasimir und bin ein Maulwurf auf Reisen, unter der
Erde, versteht sich, und rund um die Welt. Ich bin sehr neugierig
und esse für mein Leben gern. Am liebsten Suppe. Ich lerne
furchtbar gerne neue Orte kennen, wo andere Bräuche
herrschen als zuhause. "Kannst du nicht einen Augenblick
stillhalten?" klagte meine Mutter immer. Und ich antwortete:
"Wozu denn? Alles ist in Bewegung - die Erde, die Sonne, die
Sterne, die Erdteile, die Meeresströmungen - warum soll
gerade ich stillhalten?" Außerdem fühle ich mich unter
der Erde überall daheim. Da gibt es zum Glück keine
Grenzen, keine Linien, die ein Land vom anderen trennen. Ich
grabe und grabe und werfe alles in weitem Bogen hinter mich:
sandige, feste, krümelige Erde, feuchte und trockene Erde,
Erde, die duftet, wie die Zitronenbäume, die auf ihr
wachsen, und Erde, die stinkt wie die Müllhalde, die
darunter versteckt liegt.
Ich liebe es, wenn die Menschen und Tiere der Länder, durch
die ich wandere, mir von ihren Bräuchen und Essgewohnheiten
erzählen. Und weil ich ein Feinschmecker bin, sage ich nie
nein, wenn mir etwas zum Kosten angeboten wird. Was nun folgt,
ist die Erzählung von den letzten Reisen, die ich
unternommen habe. Allein beim Gedanken daran läuft mir das
Wasser im Mund zusammen! Kommt mit und entdeckt die
Köstlichkeiten vieler aufregender Länder!
Von der Erde auf den Tisch
Wie reich die Erde ist, und wie großzügig! Ihr
könnt euch gar nicht vorstellen, was für Pflanzen auf
unserem herrlichen Planeten wachsen. Und wie herrlich das ist,
mal hier an einer Karotte, mal da an einer Kartoffel zu knabbern,
die Schnauze in die Luft zu strecken und die Düfte zu
erschnuppern, die der Wind aus den Gärten rundum mitbringt.
Das Essen, müsst ihr wissen, macht nicht nur meinen Magen
satt, sondern auch mein Herz froh. Essen ist für mich immer
ein Fest. Gemüse, Suppen, Brot, Getreide ... jedes Mal
scheint mir, als begleite eine feine Musik die
Köstlichkeiten von der Küche bis in die Teller.
Schmatzend quer durch die Welt Eine
Entdeckungsreise auf den Spuren vergessener Gerichte und fremder
Kulturen
Redigiert von Ucodep.
Projekt: Sabina Morosini
Koordination und Textbearbeitung: Stefania
Carrara
Graphischer Entwurf und Illustrationen:
Mookdesign (www.mookdesign.com).
Ein herzliches Dankeschön allen, die an
dieses Buch geglaubt haben und zu dessen Verwirklichung
beigetragen haben:
Simone Perini, für seine großzügige und kreative
Hilfe bei der Gestaltung und Überprüfung der Texte -
Helga Gurndin (Übersetzerin)
- Marco Ferretti (Istituto Pedagogico di Ricerca, Sperimentazione
ed Aggiornamenti Educativi - Bolzano)
- Mauro di Vieste (Bibliothek Kulturen der Welt - Bozen -
www.bibmondo.it)
- Judith Notdurfter (Provincia Autonoma di Bolzano / Autonome
Provinz Bozen)
- Della Passarelli (Sinnos)
- Anna Lucheroni
Realisiert mit dem Beitrag der
Autonomen Provinz Bozen.
Copyright ©2010 Sinnos editrice, Sinnos Cooperativa Sociale
a r.l.- ONLUS, Via dei Foscari, 18 - 00162 Roma. Tel. 06/44119098
fax 06/44240603, Mail: libri@sinnoseditrice.org,
Web: www.sinnoseditrice.com.
Der Sinnos Verlag ist eine soziale
uneigennützige Organisation (ONLUS), die sich für die
Widereingliederung benachteiligter Personen in die Arbeitswelt
einsetzt.
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